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Zertrötung

Wird die Vuvuzela Weltmeister? Wird sie in den Kärntner Landtag einziehen? Kann sie Schneckerl Prohaska ersetzen?

Von: Heinz Grötschnig


Wer wird Weltmeister? Das ist die Frage dieser Tage, auf die ich eine Antwort hätte: Es wird die Vuvuzela. Sie zieht, in zigtausendfacher Übermacht, dem Endspielgegner den Nerv, macht ihn hornissenlikeinsohrstechend nieder, bis er zertrötet am Boden liegt. Dann zwingt sie den Entnervten, ein Eigentor zu schießen, der Schiedsrichter, niedergetrommelfellt, zeigt sich selbst die rote Karte, bricht das Spiel ab – und erklärt die Vuvu zum Weltmeister. Ja, so könnt’s laufen, wenn man den Kommentatoren glaubt, die ein Verbot der Tröte fordern.

 

Tja, Ruhestörung im Fußballstadion, darf das sein? Nein, wir brauchen für künftige EMs und WMs exakte Dezibelrichtlinien für jedwede Begeisterung, lauteres als Händeklatschen darf nur Cashsponsoren genehmigt sein, weil es sonst von Werbung ablenken könnte. Was, wenn man etwa Werbedurchsagen nicht mehr hören kann? Dann bleibt nur noch die dunkelgelb-rote Karte für Krachmacher aller Art.

 

Vuvuzelas könnte man ja farblich zum Flötenleibe rücken. Farben werden mittlerweile Sponsoren zugeordnet (man denke an die orange gekleideten Holländerinnen, die als undercover bierologische Schwerverbrecherinnen aus dem WM-Stadion entfernt wurden) – nicht auszudenken, eine Vuvuzela in Coca-Cola-Rot oder einer Farbe, die Sponsor Kia im Farbprogramm hat, stört die Cashcow. Maximal eine Farblosvuvuzela wäre denkbar, aber nur, bis ein Farblossponsor Einspruch erhebt.

 

Wie eingefärbt darf man als Fan überhaupt in eine Arena? Am besten gehe man wohl nackt zum Fußball – bis Erotik-Fernseh-Kanäle als Sponsoren aufheulen, sollte das kein großes Problem sein.

 

Ja, der Fußball wird für den Fan immer komplizierter, bald werden wir beim Erwerb einer Eintrittskarte ellenlange Verträge unterschreiben, welche Farbe man im Stadion tragen darf, welche Getränkemarke im Jausengepäck erlaubt ist – stellen Sie sich vor, da nimmt einer eine Flasche Wasser mit! Nur, wenn die stadionheimische Wasserwirtschaft einen Millionen schweren Sponsorvertrag unterschreibt, ist ein Unterlaufen der Getränkeexklusivität möglich (die FIFA lässt Wasser eh großmütig in den Klospülungen zu, sogar zum Sprengen des Rasens darf es verwendet werden, was aber eh zu überdenken wäre. Ein gut vermarkteter, Red-Bull-gespritzter Rasen könnte den Akteuren doch Flügel verleihen, oder?)

 

Zurück zur Vuvu: Natürlich werden heimische Politiker die Popularität derselben bald überreißen, ich sehe schon Tausende blaue Vuvuzelas, die Kärnten überschwemmen. Man wird sie bei Reden und Aktivitäten des politischen Gegners massiv einsetzen – mitunter wäre es übrigens eh ein Akt der Gnade, wenn sie in Landtag oder Gemeindestuben manch politische Wortmeldung übertönen könnten.

 

Wer wird der erste Politiker sein, der die Vuvuzela als Quereinsteigerin auf seine Liste nimmt? Dörfler, der Mann mit Negerwitzappeal, sollte sich solch afrikanischen Beistand nicht entgehen lassen. Endlich eine unüberhörbare Stimme des FPK, tonaler als etwa das Organ von Martin Strutz, kräftiger als das von Harald Dobernig.

 

Vuvuzelas hätten vielleicht Austria Kärnten retten können, wenn man sie zeitgerecht an Stelle der (wenig mitreißenden) Pfeifen im Vorstand installiert hätte.

 

Apropos Austria: Kürzlich habe ich gelesen, dass afrikanische Medizinmänner vor dem Tor tote Tiere vergraben, um das Spiel der eigenen Elf positiv zu beeinflussen. Vielleicht sollte man in der Hypo-Arena die Leichen, die in diversen Kellern liegen, für die bessere Zukunft der Austria ebenfalls am Spielfeld begraben (zu Vuvuklängen).

 

In Blickrichtung nächster Fußballevents stellt sich auch die Frage: Was kann Österreich tun, dass bei einer EM/WM auch einmal Vuvuzelas für unser Team tröten? Soll man die jetzige Elf & Trainer am Spielfeld vergraben? Nein, das wäre doch zu hart. Besser, man kauft elf Vuvus und lässt die für Österreich antreten. Dann wären einmal nicht die Fans, sondern die Gegner genervt. Natürlich müsste man auch Constantini durch eine Vuvu ersetzen. Und Schneckerl Prohaska. Dann hätten wir endlich grammatikalisch korrektere Analysen.

19.08.10 08:30 Alter: 1 Jahre



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