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Genusswerkerin

Sissy Sonnleitner hat sich neu erfunden: Sie kocht noch regional-rustikaler und lehrt in ihrer „Genusswerkstatt“.

Von: Heinz Grötschnig, Ausgabe Jänner 2012


Spitzenküche ist kein Honiglecken. Es schaut zwar superprofitabel aus, wenn man für Menüs 40, 60 oder mehr Euro in Rechnung stellt – aber in Wirklichkeit hat jede Pizzeria und jeder Schnitzelbrater bessere Erträge als ein gehobenes Restaurant. Der Arbeitsaufwand ist riesig, der Einkaufspreis der Produkte ein höherer, dazu gesellen sich Ausgaben für Ambiente, Weinkeller, kompetentes Personal etc.

 

Hut ab also vor allen, die es sich antun, in der Mehr-Haubenliga mitzuspielen. Eine davon ist Sissy Sonnleitner, die seit ewig im köstlichsten (entlegensten) Eck Kärntens, in Mauthen, die Gutesserfahne hisst. Köchin des Jahres, mal drei, mal zwei Hauben – trotzdem muss man am Land mit dieser Küche erst überleben.

 

Deshalb erfindet sich Frau Sonnleitner immer wieder neu. Unlängst hat sie mit Tochter Stefanie die „Genusswerkstatt“ gegründet, bietet per annum etwa 60 Kochseminartermine und hat auch die Landhausküche noch „landhäusiger“ positioniert.

 

Auf Seite zwei der Speisenkarte: Die ellenlange Liste heimischer Produzenten und das Bekenntnis, am „Globalen Mittagstisch niemandem etwas wegzunehmen. Saisonal und total regional heißt die Devise.

 

Das Gedeck vulgo Karnische Kostproben ist rustikaler als man sich’s in dieser Kategorie erwartet. Herrlich krustiges Brot, Kernöltopfen, süßsauer eingelegte Gartengurken, Schinken mit Krenkäse. Einfach (und nicht wirklich spannend) die roten Rüben mit Drautaler Bauernmozzarella, angenehm intensiv die Petersilcremesuppe mit Krennockerl.

 

Spannend (wenn man das schon einfordert) die Hühnerbratwürstchen mit Linsen und Kärntner Krebsen, bodenständig die „Manti“- Nudeln mit Fleischfülle, Weißkraut, Jogurt und Paprika. Das gebratene Wetzmanner Wildhuhn im Portweinsaft ist kräftig im Geschmack, die zarte Kalbsleber lässt sich von zartem Serviettenknöderl und fülligem Kürbisgemüse assistieren. Extraklasse zum Abschluss der Haselnussauflauf mit Püree vom Boskop-Apfel und aromaintensivem Salbeieis.

 

Fazit: Rustikal-sympathische Küche, nicht so fein und verspielt wie andere in der 16-Punkte-Liga. Menüs gibt‘s ab 31 Euro.

 

12.01.12 14:23 Alter: 1 Jahre


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