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Gernot SchreierBlog über Frauen, Männer und ihre alltäglichen Herausforderungen

Gernot Schreier | 12.05.2017

Ja, ABER!

Das leidige Spiel mit dem Wörtchen "ABER".

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Foto Shutterstock

Wie oft hört man das? Man glaubte schon Alles geklärt zu haben und dann dieser Einwurf. Eigentlich möchte ich ja endlich abnehmen, ABER...

Das Spiel kenne ich selbst sehr gut und nett ist, dass fast alle mitspielen. Ich habe ja nicht durch zu viel essen zugenommen, bei mir war es ja krankheitsbedingt und somit habe ich einen gewissen Bonus, wenn es darum geht Gegenargumente zu finden, die gegen ein gezieltes Abnehmen sprechen. Dieses Ja, ABER... hat viele Vorteile. Wir sind durch geschickte Argumentation plötzlich fast unschuldig am Geschehenen, ja, wenn man genau hinsieht, könnte man fast behaupten wir sind Opfer der Umstände. Wie zum Beispiel: „Ich wäre ja gar nicht so schlecht in Italienisch, aber es ist einfach einmal Tatsache, dass mich die Lehrerin nicht mag. Sie lobt mich nie.“ Na, ja, wenn man genauer hinsieht ist es natürlich für die Lehrerin schon etwas schwierig zu loben, wenn man nicht einmal die einfachsten Vokabeln kennt. Aber natürlich durch diese Aussage sind wir ein Spielball der Sympathie der betreffenden Lehrperson. Ach, wir Armen...

 

Ein kleines Beispiel aus der Praxis:

Ein Klient kam zu mir in die Praxis und ließ sich wegen seiner Führungsarbeit in seinem neuen Job beraten. Er war vor einem Monat zum Prokuristen aufgestiegen. Wir arbeiteten an einem Leitbild und an anderen Dingen, die eine „gute Führung“ im systemischen Sinne gewährleisten sollten. Der Klient war recht stolz auf sich, dass er in so jungen Jahren schon diese wichtige Stelle im Unternehmen einnehmen konnte. Doch irgendwie hatte ich das Gefühl, irgendetwas passte dann doch nicht so ganz. Nach einigen Rückfragen kam ich dahinter, woran es fehlte. Er gab zu bedenken, dass es natürlich so sei, dass er immer weniger Zeit für sein kleines Töchterchen hatte und, dass diese sich schon beschwert hatte, dass es so sei. Er erklärte mir aber sofort, dass er ja nichts dafür könne, dass das halt so sei, wenn man einen solchen Posten besetzt. Da kann man einfach nichts machen. Schon gut, dass „man“ da einfach nichts machen konnte. Leider stimmte das nicht. Man konnte natürlich etwas machen, es würde aber etwas kosten, wie meistens im Leben und man muss sich entscheiden, was einem mehr wert ist. Mehr Macht und mehr Geld oder mehr Zeit für sein Kind mit etwas weniger Geld und weniger Macht. Wenn man es genau betrachtet haben wir meistens die Entscheidung darüber, was passiert. Wir wollen sie aber nicht haben. Es ist einfacher als Opfer der Umstände dazustehen. Der Klient hat sich noch nicht entschieden, welche Option er wählen wird. Vielleicht verzichtet er ja auch auf die Macht, den Einfluss und den Unterschied am Konto. Auf jeden Fall sollte er, ganz egal wofür er sich entscheidet, die Verantwortung dafür übernehmen. Das würde ihm guttun.

 

Erklärung:

Alle Veröffentlichungen sind, aufgrund des besonderen Vertrauensverhältnisses zwischen Berater und Klienten, mit den handelnden Personen abgesprochen und von Ihnen freigegeben.

Des Weiteren sind Orte, Alter und Daten, die ein Erkennen der Personen ermöglichen würden, verfälscht.

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