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Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 06.07.2017

look! into my life

Ich liebe Urlaub. Aber die wahre Erholung findet in der Zeit davor statt …

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Der Urlaub steht an! © iStock by Getty Images

Das Schönste am Urlaub ist die Vorfreude. Im Urlaub, so denken Menschen wie ich, wird alles friedlicher, entspannter und besser als sonst. Man wird die köstliche Küche des Mittelmeeres genießen und trotzdem kein Gramm zunehmen. Man wird romantische Zeit zu zweit verbringen, obwohl man mit einem Dutzend Kinder unterwegs ist. Man wird ausschlafen können, obwohl man auch bei Sonnenaufgang Sport machen will. Der Urlaub ist eine eierlegende Wollmilch-Sau.


Und dann ist der Urlaub endlich da. Letztes Jahr umfasste unser Reisegrüppchen zwei Senioren über siebzig, vier rüstige junge Menschen zwischen vierzig und sechzig, vier taufrische Menschen um die zwanzig, zwei quecksilbrige Pubertierende und einen Dreijährigen, der im Konvoi mit den Senioren angereist war.

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"Letztes Jahr umfasste unsere Urlaubs-Gruppe 3 starke Persönlichkeiten. Heuer sind wir vielleicht nur zu dritt …"

Macht 13 starke Persönlichkeiten, mit nur einem Dach über dem Kopf. Eigentlich hätten wir ein Transparent hissen sollen, auf dem „Vorsicht, ­explosiv!“ steht. Aber wir waren fest entschlossen, das hinzukriegen. Motto: „Rücksichtnahme auf persönliche Bedürfnisse“.


Die Senioren hatten das Bedürfnis nach Ruhe. Die Rüstigen im besten Alter hatten das Bedürfnis, die Insel zu erkunden, nachdem sie ausgeschlafen waren, Sport gemacht, fein gegessen und kein Gramm zugenommen hatten. Die zwischen zehn und zwanzig hatten das Bedürfnis, von allen ­anderen in Ruhe gelassen zu werden, insbesondere von den Rüstigen.

Nur der Dreijährige war pflegeleicht. Er hatte einzig und allein das ­Bedürfnis nach einem grünen Schleimball. Ein Schleimball ist ein klebriges Ding, das man auf Menschen wirft. Oder auf Gegenstände. Trifft man das Ziel, zum Beispiel einen der Senioren, ist höchster Spaßfaktor garantiert, weil der Senior dann „Pfui, Teufel! Hör sofort mit dem Blödsinn auf!“ brüllt.

Erfunden wurden Schleimbälle von einer im Untergrund arbeitenden Expertengruppe, die von kinderlosen Menschen hoch dafür bezahlt wird, am laufenden Band Abscheulichkeiten zu erfinden, die Menschen mit Kindern den Urlaub verderben. Irgendwer in der Runde hatte dem Dreijährigen an einem Kiosk einen Schleimball gekauft und das Schicksal (vermutlich in Gestalt eines Seniors) raffte ihn nach drei Tagen Schleimball-Spaß grausam hinweg. Daraufhin bewegte sich der Dreijährige am Rande einer ernsten Depression. Ein Leben ohne Schleimball fand er sinnlos, leer und ohne jede Würde. Ich besorgte heimlich einen neuen, weil ich ein großes Herz für kleine Mistbraten habe, daraufhin wurde ich vom Rest der Reisegruppe geächtet. Man zeigte mit dem Finger auf mich und nannte mich eine pädagogische Katastrophe. Angeblich will der Dreijährige, der heuer um ein Lebensjahr gereift ist, diesmal nur mit seinem Schleimball und mit mir auf Urlaub fahren. Ich glaube, zu dritt könnten wir es uns diesmal richtig nett machen …

 


Schönen Urlaub! Meiner beginnt in drei Wochen und zumindest ist die Vorfreude darauf mächtig erholsam!

 

Eure Uschi

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