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Julia SchweigerYoga und Fitness Trainerin

Julia Schweiger | 12.05.2017

Yogafrühling in den Bergen

Oder: Von Aufstiegen, Umwegen und Schattenspielen

Seit ein paar Tagen scheint er geschafft, der 'Aufstieg' zum Frühling, über viele Umwege und mit so einigen kühlen Schattenspielen versehen...! Manche sage ja, dass der Vollmond im Mai den saftigen, fruchtbaren Frühling erst so richtig einläutet. Heuer fühlt es sich genauso an. Ja, und passend dazu lädt in kürze der Yogafrühling Gastein zum Zelebrieren dieser besonderen Zeit im Jahr ein. Mit einem sensationell vielfältigen, spannenden und ganz bestimmt sehr entspannenden Programm: Im ganzen Gasteinertal finden von 24. Mai - 5. Juni in 20 Partnerhotels sowie an wunderschönen Kraftplätzen in der Natur - auf der Yogaplattform beim Bad Gasteiner Wasserfall, auf Almen, Gipfeln oder an einem der glasklaren Bäche in der Region - über 350 Yogaeinheiten verschiedenster Stilrichtungen statt. Auch die internationale Diamond Yoga Conference gastiert erstmals vor Ort. Für jeden Geschmack, für jedes Level ist etwas dabei. Ganz bestimmt. Und: Das Gasteinertal hat etwas Magisches. Da passiert auf ganz vielen Ebenen was Heilsames und Kraft spendendes. Das muss man einfach mal erlebt haben!

Ich freue mich auf jeden Fall schon riesig darauf, auch heuer wieder mit dabei zu sein! Tja, und auf die Berge, auf die freue ich mich auch.... Sehr.

 

 

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© Yogatage Gastein

Die Berge also. Als Burgenländerin habe ich zu ihnen ein besonderes Verhältnis. Oder besser gesagt, gab es da lange Zeit gar kein Verhältnis. Beim ersten Schulschikurs bekam ich nach 2 Tagen Platzangst und war heilfroh, als es wieder heimwärts ging ins flache, weite Burgenland. Danach verspürte ich lange kein Bedürfnis mehr, in die Berge zu fahren. Was das für meine Identität als Österreicherin, vor allem während meiner langen Auslandsaufenthalte bedeutete: “Ah, so you're from Austria. You must be a great skier!“ - “Ehm, well not really. You know, I come from the very flat region in the East....“ Verständnislose bis bedauernde Gesichter. Anyway.

 

Erst als ich viele Jahre später auf meinen Reisen durch Peru und Ecuador die Berge für mich entdeckte, ihre Kraft, ihre Geheimnisse und die Apus (die Spirits der Berge in den Anden), da begriff ich, welchen Schatz ich da in Österreich direkt vor meiner Nase hatte.

 

Was mich 2011 in die peruanischen Berge führte, war ein 12-tägiger Yoga-Retreat. Yoga an sich hat in mir schon immer Kräfte aktiviert, Blockaden gelöst, mich meine Lebendigkeit und innere Weite spüren lassen. In Kombination mit den Bergen rundherum potenzierte sich diese Erfahrung noch. Ich fühlte mich plötzlich nicht mehr eingeengt, sondern beschützt, gestärkt und unterstützt. Gut geerdet, verbunden mit der Natur, so imposant in ihrer Schönheit, konnte ich mich auf eine ganz besondere Art und Weise fallen lassen und öffnen.

 

Diese Wandlung fasziniert mich. Hätte mir Yoga damals beim Schulschikurs geholfen? Der Gedanke bringt mich zum Schmunzeln. Mit 15 war mir Yoga fremd. Es gab niemanden in meinem Umfeld, der es praktizierte geschweige denn, mich damit vertraut gemacht hätte. Aber selbst wenn, wäre ich bereit gewesen? Meine ersten Yogaerfahrungen mit Anfang 20 waren zwar wohltuend, aber noch nicht nachhaltig. Ich musste erst noch andere Wege gehen, bis mich das Leben ein paar Jahre später wieder zu Yoga führte und ich die Praxis voll Freude in mein Leben integrieren konnte.

 

 

Bild Yogaherbst Gastein.jpg
© Yogatage Gastein

Vielleicht war ich auch für die Berge noch nicht bereit. Gerade wenn man im Flachen und Weiten aufwächst, spürt man ihre gewaltige Präsenz und die Begrenzung, die sie darstellen, besonders stark. Ja, und die Machtlosigkeit. Was ich den Bergen am meisten übel nahm – neben dem Gefühl eingeengt zu werden –, war, dass sie mir das geliebte Sonnenlicht frühzeitig und ganz plötzlich entzogen! Ohne Berge hätte mich die Sonne noch um einiges länger gewärmt und meine Gedanken erhellt. Aber nix da. Berg dazwischen. Und statt Licht und Wärme plötzlich Schatten.

 

Das war und ist für mich eine der direktesten Erfahrungen von Demut. Das Loslassen des Gewohnten und scheinbar Besseren beziehungsweise des Glaubens, besser zu wissen, was gut ist. Solange ich mich dagegen wehrte, konnte ich die Geschenke der Berge nicht erkennen. Diese sind jenen des Yoga übrigens sehr nah und verstärken sie noch:

  • Die Begrenzung fordert zur Konzentration auf das auf, was gerade da ist, anstatt ständig voraus zu schauen.

  • Die Berge ermöglichen eine heilsame Abgrenzung und Rückzug in sich selbst.

  • Angesichts ihrer imposanten Größe und Präsenz relativieren sich Sorgen und Probleme.

  • Die Stabilität und Kontinuität, welche die Berge vermitteln, bieten Geborgenheit und Halt.

  • Sie machen die eigenen physischen wie emotionalen Grenzen deutlich und lehren Demut.

  • Unerwartete Veränderungen, z.B. plötzliche Wetterwechsel, erfordern Besonnenheit und Flexibilität.

  • Und Geduld. Oh, wie oft erscheint ein Anstieg endlos! Denn nicht der direkte, steile Weg bringt sicher und kräfteschonend an den Gipfel, sondern viele, viele Schleifen und Serpentinen.

 

Und so wie die Berge erst durch das Gehen zu erfassen sind, so entfaltet sich auch die Vielschichtigkeit des Yoga erst durch das Praktizieren. Beim geduldigen „Anstieg“, achtsam bei jeder Bewegung, rein horchend auf etwaige „Wetterumschwünge“ genieße ich die Blumen am Wegesrand, die Umrisse einer Bergziege an der steilen Wand oder den Ruf eines Vogels in mir. Ich verweile hin und wieder. Manchmal überrascht mich ein Unwetter, und ich muss den geplanten Weg unterbrechen oder anpassen. Manchmal erklimme ich den Gipfel in Glückseligkeit. Nicht selten umgeben von einem Wolkenmeer, das mir das Gefühl gibt, im Himmel aufgewacht zu sein. Und dann ruft der Abstieg. Mit einer breiteren Perspektive überschaue ich das Tal und kehre reich beschenkt zurück in meinen Alltag. Auch hier werde ich immer wieder mit (meinen) Schatten konfrontiert, obwohl es doch so viel angenehmer wäre, länger im Licht zu verweilen. Yoga hilft mir sie anzunehmen. Und wie köstlich ist das Licht, wenn es wieder kommt! So viel heller, wärmer und klarer. Wie auf dem Berg.

 

 

Mehr über Julia Schweiger & YOGAJU!

 

 

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