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Editor's Mind Angelica Pral-Haidbauers Kolumne

Editor's Mind | 03.04.2019

Und wie viele bist du?

Nun, diese Erkenntnis überraschte mich zu einer Zeit, die eigentlich besser nicht hätte sein können. Der letzte Cent unseres Hauses, dem geliebten Heim meiner Kinder mitten in der Natur, war abbezahlt. Also Löschungserklärung der Bank an das Grundbuchamt und dann mal warten. Lange warten. Bis ich (man will ja seine Dokumentenmappe ordentlich halten) beim Grundbuchamt nachfragte. Ja, hieß es, den Akt kenne man, worauf sich jene folgenschwere Frage anschloss: „Aber wer sind Sie?“

Bild Angelica Edito neu.jpg
Wie viele seht ihr? ;) (© Aquila Picture)

Also, ich bin ... „Den vollständigen Namen, bitte!“ Also ich heiße ... „Sind Sie die Frau Magister Angelica-Christina ... oder die Frau Doktor Angelica ...? Ich habe hier zwei Eigentümer.“ „Ich bin beides“, sage ich freundlich, auf Verständnis hoffend. „Geht nicht“, sagt er. „Sie sind zwei. Zwei Rechtspersonen.“ Der Amtsschimmel wiehert. Nach langen Erklärungsversuchen – ja, ich habe mein Doktorat erst gemacht, als ich bereits den Kredit hatte; ja, ich fülle Formulare der Einfachheit halber nur mit Angelica aus; und ja, ich habe es verabsäumt, bei der Bank anzurufen und bekannt zu geben, dass ich jetzt Frau Doktor bin (ich bin doch nicht titelsüchtig!). Worauf für mich die Frage blieb: Wie kann ich denn jetzt „eine“ werden?

Ich verstehe ja, auch ein Beamter hat seine Vorschriften. Die vorgeschlagene Lösung: Antrag stellen, Urkunden beglaubigt bringen, Bearbeitungsgebühren errichten. Und wenn ich das nicht will? Meine Familie weiß ja, dass ich nur „eine“ bin. Und Frage: Wie ist denn das mit dem Vererben? „Kein Problem, halbieren Sie einfach.“ Bei fünf Kindern? Bevor ich mich nun auf eine Diskussion eventueller Vererbungsvarianten bei ungerader Kinderzahl einlasse und der auf mich zu galoppierende Amtsschimmel nicht mehr zu stoppen wäre, beende ich dankend das Gespräch – und schließe meine Dokumentenmappe. Da fällt mein Blick auf meine Hochzeitsurkunde. Venedig! Wie romantisch – sogar die Certificato di Matrimonio aus edlem Büttenpapier mit goldener Banderole. Versonnen öffne ich die Urkunde, lese unsere Namen – und erstarre. Jetzt bin ich drei – und womöglich ewiger Single. Ein mächtiger Cavallo Bianco bäumt sich vor mir zur Kapriole auf.

Liebe Leserinnen und Leser, unsere April-Ausgabe (frisch in der Trafik!) steht – neben vielfältigen Themen und bewegenden Interviews – ganz im Zeichen jener Paare, die sich in diesem Jahr auf ihre Traumhochzeit freuen. Für diesen besonderen Tag bringen wir jede Menge Tipps und Trends. Von mir gibt es noch einen kleinen persönlichen Rat: Versucht nicht, Mama, Papa und geliebte Vorfahren im Namen der Kinder zu verewigen. Bleibt einfach bei den bekannten, die Hitlisten anführenden Namen wie Anna oder Max. Diese sind relativ fehlersicher – und wer weiß, vielleicht werden ja auch eure Nachfahren einmal einen Kredit brauchen.

PS: Meine Geschichte trug sich nicht in Niederösterreich zu! ;-)

Habt eine fröhliche, farbenprächtige Osterzeit!

Eure Angelica Pral-Haidbauer

Chefredakteurin