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Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 13.05.2018

Look into my Life: Soziale Netzwerke

Seid ihr auch in den sozialen Netzwerken aktiv? Und wie geht’s Euch dabei so?

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© Stefan Joham

In einem privilegierten Leben hat man privilegierte Probleme. Zum Beispiel, wie man sich Social-Media-mäßig richtig verhält und die sozialen Netzwerke richtig nutzt. Richtig nutzen heißt, viele Likes zu bekommen. Wer Likes bekommt, wird geliebt oder ­zumindest beachtet. Wer wenige oder ­keine Likes bekommt, gilt als Loser und da in den sozialen Medien alles nach hinten losgeht, werden aus wenigen Likes noch weniger, weil niemand will etwas liken, was auch kein anderer likt.


Mangelnde Likes sind aber nicht mein Problem, im Gegenteil. Ich werde sozial gemocht, leide aber unter einer gewissen Social-Media-Müdigkeit. ­Viele Likes bewirken nämlich, dass man ständig neues Futter liefern muss. Das kostet Zeit. Und ist, wenn ich das mal so sagen darf, ohne von meinen Followern dislikt, also ins soziale Nirvana gestoßen zu werden, eine sinnentleerte Tätigkeit.


Tipp, tipp, tipp. „Tust du schon wieder Handy spielen?“, fragt mein guter Mann, Social-Media-Verweigerer der ersten Stunde und im festen Glauben, dass sich der ganze Online-Blödsinn ohnehin bald ausgesessen haben wird und er wie Superman aus der Asche der sozialen Netzwerke aufsteigen kann. Natürlich spiele ich nicht Handy. Ich bearbeite meinen Instagram-Channel. Und schau ganz nebenbei, was meine Freunde in den Hamptons, auf Maui, und Tahiti so treiben. Die Beckhams, zum Beispiel.


Victoria Beckham postet einen Himbeerkuchen und schreibt @david­beckham: „I love you so much!“ Das gefällt David Beckham, den Kindern Brooklyn, Romeo, Cruz und Harper Beckham sowie 3.021.803 weiteren Personen. Die Beckhams halten Social- Media-mäßig solide zusammen, alle für einen, einer für alle.


Nicht so wie bei mir. Wenn ich mit dem Handy in Selfie-Position gehe, flüchtet der Saal und wenn ich mich  nicht irre, hat schon wieder jemand „Poah, ist das peinlich“ gezischt. Null Verständnis in den eigenen Reihen. Ich werde mal die Beckhams kontaktieren, wie sie ihre Kinder zu anständigem ­Social-Media-Verhalten ­disziplinieren. Vermutlich wird der sechsjährigen Harper mit gnadenlosem Gucci-Stofftier-Entzug gedroht, wenn sie Mamas Postings nicht beachtet.

Sicher haben die Beckhams ihr Leben fester im Griff als ich. Bilde mir nämlich ein, dass zu viel Handy-Schauen zu einer Mattscheibe im Kopf führt. Seit ich Social-Media-aktiv bin, ist mein Hirn ein Geheimzahlengrab. Vertrauen Sie mir irgendeine Zahl an und ich vergesse sie verlässlich sofort. Kreditkarten-Pins. Bankomat-Codes. Alarmanlagen. Bei mir ist jede Geheimzahl fantastisch für die Ewigkeit gebettet.


Gerade stand ich wieder grübelnd vor dem Geldautomaten und beschloss, halt nichts mehr abzuheben. Neulich wurde in unserer Firma ­übrigens über ein elektronisches System diskutiert, bei dem sich die Büro­türen nur durch Eingabe eines persönlichen Codes öffnen. Leute, meine Laufbahn als Social-­Media-Star wird mit meiner beruflichen Auslöschung enden. Ich werde dann viel Zeit haben, um zu schauen, wie’s den Beckhams geht.
Was für ein bitteres Ende.

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Instagram-Stars. Victoria Beckham mit ihren Kindern. © Victoria Beckham / Instagram