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SOCIAL DISTANCING – DAS HOME MOVIEby Klaus Peter Vollmann

SOCIAL DISTANCING – DAS HOME MOVIE | 19.03.2020

SOCIAL DISTANCING – DAS HOME MOVIE

Jetzt exklusiv auf looklive

Was bisher geschieht:

Mein Zuhause sieht nun aus wie mein Büro.

Ich sitze viel und lese. Die Hunde schlafen.

Ich schäme mich, weil ich im Supermarkt Klopapier kaufen muss.

Mein Mann misst alle 10 Minuten Fieber.

Ich habe irgendwo gelesen, dass unser Leben nun einer Netflix-Serie gleichen würde, bezweifle aber, dass diese erfolgreich wäre, leidet sie doch an einer gewissen Handlungsarmut. Lachen soll man aber trotzdem, erklären Psychologen in medialer Eintracht, was gar nicht so leicht ist, wenn der einzige Thrill das Schnarchen der Hunde ist. Also muss man sich jede noch so banale Situation schön lachen.

Gestern musste ich mit Maya zur Tierärztin. Eine Infektion zwang uns dazu, die Ordination liegt nicht einmal 10 Gehminuten entfernt, auf denen wir mit niemandem Kontakt hatten, sondern stets die Seite wechselten, sobald sich jemand näherte. Was zweimal zu skurrilen Szenen führte, weil der Entgegenkommende ebenfalls die Seite wechselte, um dann, wie wir, wieder umzudrehen. Kleine Balletteinlagen mitten in Döbling. Grund für ein Lächeln.

Grund für Galgenhumor: Es waren keine Kinder, dafür auffällig viele ältere Menschen unterwegs. Sollten nicht gerade die zuhause bleiben? Ja, sollten. Ein Freund erzählte mir am Telefon, dass sich seine 78-jährige Schwiegermutter am Freitag noch schnell einen innerstädtischen Coiffeurtermin ausmachte, um nicht unfrisiert in die eventuelle Quarantäne zu müssen – und diesen auch gleich damit verband, ihre 90-jährige (!) Freundin auf einen Kaffee zu treffen. Schließlich wisse man ja nie.

Auf Facebook gibt es bereits Gruppen verzweifelter Menschen, die sich über die Sturheit ihrer steinalten Eltern austauschen, welche jegliche Hilfe ablehnten und stattdessen wegen jeder Semmel separiert in den Supermarkt marschierten. Einer schrieb, ihn hätte sogar die Apothekerin angerufen, um ihn aufzufordern, seine Frau Mama (85) davon abzuhalten, mehrmals täglich bei ihr vorstellig zu werden. Der Grund: Die Dame möchte sich persönlich über den Verbleib einer gerade vergriffenen straffenden Gesichtscreme erkundigen. Haha.

Maya hat übrigens nur eine harmlose Infektion, bekommt Antibiotika und muss in wenigen Tagen zur Kontrolle.
Was bis dahin alles nicht passiert, erfahren Sie in der zweiten Folge.