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Lifestyle | 23.06.2016

Auf eigene Faust in die Ferne

Individualreisen liegen im Trend

Pauschalurlaub ist out – individuell und persönlich soll es sein, bestenfalls mit dem ganz besonderen Etwas. Im Tourismus lautet einer der wohl beliebtesten Trends daher „Individualreisen“, bei dem fremde Länder, Kulturen und Landschaften auf eine ganz eigene Art und Weise erkundet werden.

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Urlaub abseits der klassischen Touri-Hotspots

Beim Individualtourismus geht es vor allem um Flexibilität, aber auch Freiheit, Selbständigkeit, Unabhängigkeit und nicht zuletzt Privatsphäre stehen hoch im Kurs. Die Planung der Reise übernimmt dabei der Urlauber selbst, das klassische Komplettangebot aus dem Reisebüro inklusive Flug und Hotel ist also nicht mehr erste Wahl. Stattdessen werden diese und weitere Aspekte der Reise selbständig ausgewählt und zu einem eigenen Angebot zusammengestellt. Je nachdem, wie der Reisende sich seinen Urlaub vorstellt, können fremde Flora und Fauna sowie Land und Leute dabei im ganz eigenen Tempo kennengelernt werden. Pausen und Ruhe gibt immer dann, wenn die Reisenden es sich wünschen, ebenso können spontan aber auch zusätzliche Erlebnisse auf dem Plan stehen, wenn diese während der Reise entdeckt werden. Kurzum zeichnet sich eine Individualreise also dadurch aus, dass verschiedenste Reisekomponenten so miteinander verknüpft werden, dass zum Schluss ein Produkt entsteht, das genau auf die Wünsche und Bedürfnisse des Reisenden abgestimmt ist.

Die Planung

Individualreisen werden selbst zusammengestellt und gerade dieser Punkt ist es letztendlich auch, der viele Menschen fasziniert, aber auch gleichermaßen abschreckt. Mit ein wenig Organisation kann die Planung aber durchaus Spaß machen und steigert gleichzeitig noch die Vorfreude auf das Reiseziel. Wer sich auf diese Weise umfassend mit seinem Reiseziel auseinandersetzt, erfährt außerdem automatisch mehr über das Land, die Kultur oder die Sehenswürdigkeiten. Gerade Insider und Geheimtipps werden meist erst im Laufe einer umfangreichen Recherche zutage gefördert. Zu einer Individualreise gehören darüber hinaus aber auch das Buchen des Fluges und der Übernachtungsmöglichkeit sowie das Organisieren eines Transportmittels. Wer diesen Aufwand nicht betreiben möchte, der kann die Reisevorbereitungen mittlerweile aber auch an bestimmte Reiseveranstalter abgeben. Diese haben sich direkt auf Individualreisen spezialisiert und sorgen in direkter Absprache mit dem Urlauber dafür, dass die Reise ein Erfolg wird.

  • Kosten

Die Kosten einer Individualreise sind so verschieden, wie es auch die Reise selbst sein kann. Wer eine Fernreise mit Kindern innerhalb der Sommerferien plant, der muss in der Regel von relativ hohen Kosten ausgehen. Wer hingegen nur zu zweit oder sogar allein unterwegs ist und statt des All-Inklusive-Hotels ein kleines Apartment bevorzugt, der kommt deutlich günstiger davon. Vor allem dann, wenn die Reise im Sinne eines Roadtrips geplant ist und viele unterschiedliche Stationen mit dem Auto abgefahren werden, können die Kosten stark variieren – je nachdem, wie bescheiden oder eben nicht die Insassen fahren und leben wollen.

Die genaue Planung macht es in vielen Fällen jedoch möglich, dass an zahlreichen Enden Kosten eingespart werden können und die Reise kostengünstiger ausfällt. Teilweise sind Flüge, Unterkünfte oder Mietwagen beispielsweise sehr günstig, wenn sie unabhängig voneinander gebucht werden. Wer sich früh kümmert, kann unter Umständen außerdem von Frühbucherrabatten profitieren. Aber auch Spontanität kann sich auszahlen: denn oftmals sind Angebote direkt vor Ort noch kostengünstiger, da sie nicht durch eine Reiseagentur vermittelt werden.

 

  • Reiseart

Der Vorteil des Individualtourismus liegt darin, dass Urlauber ganz genau so reisen können, wie sie möchten. Die Reiseart lässt sich also entsprechend den eigenen Wünschen anpassen. Dennoch sind einige Konzepte ganz besonders beliebt, beispielsweise große Rundreisen oder Roadtrips, Backpacking oder aber Survival-Trips durch die Natur. Selbstbestimmung und Freiheit sind hierbei das Stichwort, denn die Urlauber bestimmen jederzeit selbst, wo sie wann und wie lange bleiben möchten oder was sie als nächstes tun wollen.

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Ideen für spannende Reiseziele und Reisearten

  • Durch die wilde Natur Kanadas

Ideal geeignet zum Erkunden von Flora und Fauna ist ebenso die Weite Kanadas, in der dichte Wälder, Seen und Berggipfel zu einem grünen Panorama verschmelzen. Viele der dortigen Provinzen wie etwa British Columbia oder Yukon eignen sich bestens zum Wandern und sind zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert. Auch eine Entdeckertour durch Alberta lohnt sich, denn dort warten etliche National- und Provinzparks, aber auch die sogenannten Badlands – besonders trockene und karge Gebiete – mit den weltbekannten Dinosaurier-Fossilien stellen ein interessantes Ausflugsziel dar.

Abgesehen davon übt Kanada aber auch aufgrund der vielen Tierarten einen besonderen Reiz auf Urlauber aus, denn immerhin können unter anderem Elche, Bären, Pumas, Bisons oder Dickhornschafe in freier Wildbahn betrachtet werden. Während die Wälder Kanadas einerseits mit professionellen Wander-Guides erschlossen werden können, so brechen erfahrenere Urlauber sogar zu Survival-Trips auf eigene Faust auf. Abseits der Standardrouten und mit dem richtigen Knowhow im Gepäck wird der Urlaub so zum Abenteuer – inklusive Camping, Kanufahrten und Goldgräberstimmung.

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  • Roadtrip durch Island

Island sei an dieser Stelle nur als eines von vielen Beispielen für ein Reiseziel genannt, dass sich ideal für eine längere Autotour anbietet und zudem viel Natur und Ruhe zu bieten hat. Überraschenderweise ist Island mittlerweile allerdings so beliebt, dass Reiseblogger empfehlen, so früh wie nur irgend möglich zu buchen. Ob im Winter oder im Sommer, gerade die Unterkünfte in einigen der eher kleinen Ortschaften sind ansonsten restlos ausgebucht. Wer sich jedoch rechtzeitig kümmert, der kann so ein spannendes Abenteuer inmitten von Eisgletschern, dem Nordlicht und Rentieren erleben. Ganz wichtig: In Island steht nicht der Hotelurlaub im Fokus, sondern eher das Leben und Entspannen in Ferienhäusern, meist etwas abseits gelegen und inmitten von Natur. Auf ihre Kosten kommen hier also vor allem diejenigen, die abschalten wollen, Sport in der Natur treiben möchten oder neue Kraft und Inspiration tanken wollen.

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  • Afrika entdecken

Beliebt bei Individualreisenden ist auch der Kontinent Afrika, gerade Regionen wie Tansania oder Kenia laden zum Erkunden ein. Dort befinden sich einige der größten Nationalparks des Landes. Besonders begehrt bei Touristen ist ein Blick auf die sogenannten „Big Five“, darunter sind der Afrikanische Elefant, der Löwe, das Spitzmaulnashorn, der Afrikanische Büffel und der Leopard zu verstehen. Hierbei handelt es sich um das absolute Paradebeispiel, wenn es um Tourismusangebote in Afrika geht, der Kontinent hat aber noch deutlich mehr zu bieten. Abgesehen von der einmaligen Natur lohnt sich auch ein Blick in die Städte, um die für Europa doch eher fremde Kultur besser zu verstehen und neue Erfahrungen zu sammeln.

 

Individualreisen haben diesbezüglich allerdings auch gerade in den letzten Jahren eine teilweise fragwürdige Entwicklung vollzogen: denn immer häufiger werden gerade in Regionen wie Afrika oder Südamerika die Armenviertel als Attraktion angeboten. Die Rede ist hierbei vom sogenannten Slumtourismus, bei dem Urlauber tatsächliche Slums besuchen, um das dortige „echte“ Leben zu erleben. Einige Urlauber betrachten diese Art des Tourismus als Entwicklungshilfe, Kritiker sprechen hingegen von Menschensafaris. Andererseits muss aber nicht jede dieser Touren schlecht sein. Denn viele Touristen berichten von positiven Erlebnissen, was in der Masse zu einer „Entpolitisierung“ führen kann. Im Idealfall werden Slums so nicht mehr als Problem oder Ort sozialer und wirtschaftlicher Ungleichheit wahrgenommen, sondern als Ausdruck einer kulturellen Eigenart. Wer das eigene Gewissen hingegen damit beruhigen möchte, dass die Bewohner durch die Touren unterstützt werden, sollte den Tatsachen ins Auge blicken: denn Hilfe lässt sich auf ethisch unbedenklicherem Weg deutlich einfacher realisieren.

 

„Gemeinhin suchen Touristen Alltagsdistanz, die etwas Schönes, Erholsames vermittelt. Nicht so bei Slumtourismus, dessen Destinationen mit Armut, Kriminalität, Dreck oder Drogen assoziiert werden.“ Quelle: wirtschaftsblatt.at

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  • Pilgerreise

Pilgerreisen stellen eine ganz besondere Form des Urlaubs dar, die vor allem der Selbstfindung dient. Einer der bekanntesten Pilgerwege ist beispielsweise der Jakobsweg oder auch Camino de Santiago. Er endet in Santiago de Compostela am angeblichen Grab des Apostels Jakobus. Während er früher vor allem aus religiösen Gründen begangen wurde, so stellt er heutzutage eine sportliche und geistige Herausforderung für viele Wanderer dar. Theoretisch beginnt ein Pilgerpfad direkt an der Haustür des jeweiligen Wanderers, beim Jakobsweg ist es jedoch üblich, an den Pyrenäenpässen zu starten und von dort aus quer durch Nordspanien zu laufen – stolze 800 km gilt es dabei zu überwinden. Wer eine noch größere Herausforderung sucht, der kann jedoch auch direkt in Wien mit dem Jakobsweg starten und legt so unglaubliche 3.000 Kilometer zurück. Viele Wanderer begehen die Route auf sich allein gestellt und sind dabei mindestens 1-2 Monate unterwegs. Währenddessen haben die ausgewiesenen Pilger die Möglichkeit, in speziellen Herbergen und Pilgerstätten günstig oder sogar kostenlos zu übernachten. Eine solche Pilgerreise kann durchaus als eine Art Urlaub betrachtet werden, wenngleich sie zweifellos mit gewissen Strapazen verbunden ist. Der Abschluss ist dafür jedoch umso lohnender und der Weg selbst bringt unzählige sehenswerte Landschaften und wertvolle Erfahrungen mit sich. Wer die komplette Route gehen möchte, sollte sich im Vorfeld aber unbedingt gut mit den Wegen, dem Gelände und der Vorbereitung auseinandersetzen. Denn ohne Planung können einzelne Tagesetappen ansonsten schnell unerwartet problematisch werden, was für manch einen Pilger schon das Ende seiner Reise bedeute.

 

 

Bild 1:98505282 Holiday suitcase© sebra

Bild 2:103942129 White Pass & Yukon Route Railroad© Rocky Grimes

Bild 3:78161122 Aurora Borealis reflected between two fjords in Tromsø© jamenpercy

Bild 4:87984068 Elefanten mit Kilimandscharo© aussieanouk

Bild 5:94026772 wandern in Nordspanien, kurz hinter Astorga auf dem Jakobsweg© jocoso