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Lifestyle | 09.08.2016

„Was soll das denn!?“ – „Wieso? Das gehört zum höflichen Feier-Ton unter Kollegen und Freunden!“

Sich begrüßen: Ob nun mit „Guten Tag allerseits.“ oder „Hallo, wie geht es euch heute so?“ kommt auf die Beziehung zum Gegenüber und oft auf die Situation an. Aber die Begrüßung ist immer noch eine der gängigen Höflichkeitsformen, die gehegt und gepflegt werden sollten. Doch wie sieht es aus, wenn um einen herum lockere Partystimmung herrscht. Kann ich den Gastgeber auch erst zwei Stunden nach Partybeginn an der Tür begrüßen, dem Geschäftspartner meine Meinung endlich einmal unverblümt ins Gesicht sagen oder das Buffet plündern?

Überholte Benimm-Regeln?

Es gibt sie immer noch, gewisse Regeln, die einfach eingehalten werden sollten, damit es sich weder mit Nachbarn, Freunden noch mit dem Chef verscherzt wird. Doch klar ist, dass im trendigen Restaurant nicht unbedingt mehr darauf geachtet wird, wie die Haltung ist – dann darf sich auch einmal im locker anmutenden Restaurant auf dem gemütlichen Sitzmobiliar ausgebreitet werden. „Stock und steif“ ist zunehmend „biegsamer Stock und locker“. Natürlich wird in besonders gehobener oder feierlicher Gesellschaft immer noch Wert auf die althergebrachten Benimm-Regeln sowie die passende Anordnung des Bestecks oder wohlmöglich den Handkuss gelegt. Aber im 21. Jahrhundert angekommen, werden Benimmregeln durchaus – naja, sagen wir mal – flexibel ausgelegt. Wir handeln demnach zunehmend weniger nach irgendwelchen Etiketten, die starre Richtlinien vorgeben, als vielmehr aus Höflichkeitsformen heraus, die einfach zum guten Ton gehören und die uns (hoffentlich!) als angenehme und zivilisierte Gesprächspartner wahrnehmen lassen.

Etikette – muss nicht unbedingt sein: Ist eher altbacken und steht für Nachahmung von auferlegten und starren Konventionen. Jedoch ist sie meist die Grundlage für „das richtige Verhalten mit Bekannten und Unbekannten.“

Höflichkeit – ja, bitte!: Höflich zu sein, erfordert meist nur einen einzige Sache – und zwar Angemessenheit. Angemessenes Handeln hängt von der Situation ab, in der wir uns auf Menschen einstellen.

Doch wie höflich und rücksichtsvoll sein? Das Grüßen, bitte und danke zu sagen oder der älteren Person im Bus den Platz anbieten – dies sind alles zwar bereits Gesten der Höflichkeit beziehungsweise der Rücksichtnahme, aber das Verhalten auf der Party, während des Geschäftsfeier oder des Geschäftsmeetings, fordert meist flexiblere Kommunikations- und Verhaltensmuster. Nachfolgend werden ein paar Tipps gegeben, die zeigen, wie Höflichkeit im 21. Jahrhundert gehen kann. Dabei heißt es jedoch immer auch „Persönlichkeit zeigen!“

Partytime – wann da sein und was mitbringen?

Im Sommer eine Gartenparty? Ja klar, wenn das Wetter und die Leute stimmen, warum nicht? Lädt der Freund zur lockeren Feier mit Grillfleisch ein, dann muss ich mir doch keine Gedanken um irgendwelche Höflichkeitsformen machen, oder? In der Regel weiß jeder, wie die Freunde so ticken und das Gastgeschenk kann auch einmal zu Hause bleiben. Aber, wer neue Kontakte knüpfen möchte oder es sich mit erst kürzlich kennengelernten Bekannten nicht verscherzen möchte, sollte eine gewisse Höflichkeit beweisen. Dazu gehört zunächst einmal das ausführliche Lesen der Einladung. Darin ist je nach Anlass oft der Dresscode vermerkt: „Black Tie“ bedeutet Smoking für den Mann und das elegante Abendkleid, der schicke Hosenanzug oder der knielange Rock für die Frau und „White Tie“ bedeutet Frack und Ballkleid. Beim Dresscode „Cocktail“ ist dagegen ein lässiger Stil angesagt, der sich besonders bei warmen Temperaturen als dankbar erweist. Denn hier darf ein wenig Haut im Arm-, Bein- oder Dekolletébereich gezeigt werden – aber nicht zu viel, da dennoch Eleganz gefragt ist. „Casual Chic“ lässt sich wohl als „komme wie du bist“ verstehen. Im Zweifelsfall immer rückversichern. Aber, ob Dresscode oder nicht, zur Einladung gehört auch immer die Uhrzeit. 15 Minuten Verspätung gelten durchaus noch nicht als unhöflich, wenn „Beginn 18 Uhr“ oder „um 18 Uhr“ vermerkt ist. Steht „ab 18 Uhr“ auf der Einladung, kann durchaus erst um 20 Uhr aufgeschlagen werden, sofern das Ende offen ist.

 

Höflichkeit wird auch mit einem Gastgeschenk oder eher einem kleinen (persönlichen) Mitbringsel gezeigt. Wer den Gastgeber noch nicht so gut kennt, kann immer mit einem kleinen Blumenstrauß für die Frau – am besten keine roten Rosen – oder einer Flasche Wein, die bestmöglich noch zum Essen passt, überzeugen. Kann das Geschenk nicht persönlich überreicht werden, einfach eine Grußkarte dranhängen. So kann sich auch bei der Einladung zum Grillen beim neuen Nachbarn ein positiver Einstand verschafft werden. Ist der Nachbar nicht Teil der Grillsause, ist im Sinne der Höflichkeit darauf zu achten, dass nicht zu viel Rauch und Ruß über die Gartengrenze gelangen. In der Wohnung, sollte der Rauch nicht in die Nachbarwohnung ziehen – oft ist das Grillen auf dem Balkon jedoch bereits im Mietvertrag untersagt.

Die „Party“ unter Kollegen: Geschäftspartnern nicht auf den Stimmungsschlips treten

Wenn nicht die Clique zur Grillfeier, sondern der Chef zur Betriebsfeier einlädt, heißt es: Mitarbeiter sollten sich wenigstens für ein oder zwei Stunden Zeit nehmen und kurz mit den Kollegen anstoßen. Ist es jedoch aufgrund einer Erkältung, die schon seit ein paar Tagen mitgeschleppt wird, oder dem 50. Geburtstag der Mutter nicht möglich an der Firmenfeier teilzunehmen, gilt: Rechtzeitig absagen und das am besten direkt beim Chef. Aber, ob sich die Partysause mit den Kollegen nun einrichten lässt oder nicht, die Zu- oder Absage ist eine Frage der Höflichkeit, denn so weiß der Organisator, wie viel Speis und Trank zu ordern ist. Wer sich für den Gang zur Firmenfeier entscheidet, sollte in jedem Fall für Betriebsfeiern angemessene Verhaltensweisen an den Tag oder den Abend legen, denn so locker wie die Party unter Freunden ist, ist diese nicht zu sehen. Zu grelles Make-up oder das Schlürfen von Cocktails und Co. auf Firmenkosten bis zum bitteren Ende, ist nie gern gesehen und sorgt spätestens am nächsten Tag für unschönen Flurfunk.

Besonders beim Thema Dresscode und dem „lockeren“ Talk mit Kollegen und Vorgesetzen, sind Fettnäpfchen schnell vorprogrammiert. Findet die Betriebsfeier dann noch mit Geschäftspartnern aus dem Ausland statt oder wird von diesen organisiert, sind die Regeln der ausländischen Etikette einzuhalten, um die schlimmsten Fettnäpfchen im Kontakt mit ausländischen Geschäftspartnern höflich und charmant zu umschiffen. Diese Regeln der Etikette gelten sowohl für festliche Anlässe als auch für Meetings. Dem chinesischen Kollegen wird mit einer Verbeugung Höflichkeit entgegengebracht und der Amerikaner freut sich über einen leichten Händedruck mit dem obligatorischen „How are you?“ Wenn der indische Kollege zur Feier lädt, ist diese aus Höflichkeitsgründen auf keinen Fall auszuschlagen. Zudem ist ein kleines Präsent mitzubringen und trotz noch vorhandener Partystimmung, nach dem Dessert sollte sich verabschiedet werden – dies gehört zur Höflichkeit. Als Präsent eignen sich ebenso wie im privaten Bereich Blumen, jedoch gehört eine gerade Zahl an Blumen und ein Strauß in Gelb oder Weiß jedenfalls für die russische Kollegin nicht zum guten Ton. Denn dies steht in Russland für Trauer – und das möchte sicher keiner beim ersten Treffen vermitteln.

Klar sollte sein, ob nun hiesige oder ausländische Feierlichkeit: Auf der Betriebsfeier sind private Problem-Themen wie die anstehende Scheidung oder Grundsatzdebatten über politische Einstellungen eher fehl am Platz. Denn so kommt garantiert keine Stimmung auf!

SOS-Tipps: Wenn der Smalltalk-Partner anstrengend wird

Unverfängliche Themen wie Film, Urlaub oder auch gerne die Wetterlage sind wohl für den Einstieg in den Smalltalk mit neuen Bekannten oder Geschäftspartnern in einer doch eher lockeren Runde nicht das Falscheste. Und dabei gilt auch, die Kollegen, die nicht jeden Tag gesehen werden, oder aber fremde Partygäste auf der Feier des besten Freundes nicht unbeachtet zu lassen. Dies zeigt Interesse und Höflichkeit.

Aber was machen, wenn der Gesprächspartner irgendwann doch zu redselig wird oder der Smalltalk einen unangenehmen Verlauf nimmt? Hier ein paar generelle Tipps: Kommt das Gespräch nur schwer in die Gänge, dann bricht oft ein Kompliment zum Outfit oder der Austausch über die jeweils erste Begegnung mit dem Gastgeber das Eis. Wird die Konversation zu anstrengend oder es herrscht Antisympathie, dann entweder andere Leute ins Gespräch einbinden oder aber doch der höfliche Abgang mit den Worten „es war schön dich/Sie kennengelernt zu haben.“ Eine weitere Möglichkeit, um sich Chance auf eine neue Unterhaltung zu haben, einfach kurz auf die Toilette verabschieden und auf dem Rückweg andere Leute ansprechen. Findet sich niemand, dann vielleicht in Ruhe einen Party-Snack genießen oder am Buffet vorbeischauen. Dort tummelt sich meist der eine oder andere und das Thema Essen ist zudem ein guter Gesprächseinstieg. Doch Achtung! Wer seinen Teller zu voll lädt, gilt schnell als gefräßig und gierig. Am Buffet – gerade wenn es eröffnet wird – heißt es anstellen und nicht zwischen die Leute drängeln, nur weil die Nachspeise wenig ansprechend aussieht. Es herrschen meist generelle, höflichkeitsbedingte Spielregeln, die Angemessenheit beweisen. Aber egal, wie der Auftritt beim nächsten Treffen mit Kollegen und Bekannten verläuft, die höfliche Verabschiedung am Ende der Feier bitte nicht vergessen, denn die nächste Party kommt sicher und die Gäste wohl auch.