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Lifestyle | 22.08.2017

Gib und werde glücklich!

Wenn ehemalige Lottomillionäre aus dem Nähkästchen plaudern würden

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Geld an sich macht nicht glücklich. Aber etwas davon zu verschenken schon, fand unlängst ein Forscherteam heraus © fotolia©Matthias (#142808418)

Wer großzügig ist, ist glücklicher als der, der nur an sich denkt. Das zumindest meinen Wissenschaftler der Unis Lübeck und Zürich herausgefunden und bewiesen zu haben. Was die Forscher verblüffte: Allein der Vorsatz zur Großzügigkeit verspricht Aussicht auf eine gesunde Portion an Zufriedenheit, wenn nicht gar Glücksgefühlen.

Vom Lottogewinner zum glücklichen Menschen?

 

„Wo ist eigentlich der Unterschied zwischen der dritten und vierten Million? Mit der vierten Million ist man noch um ein Viertel unzufriedener“ – mag da so manches vermeintliche Ex-Glückskind auf die Frage abgeklärt antworten. Denn nicht jeder kommt mit dem unverhofften Geldsegen klar und strebt stattdessen in eine falsche, existenzvernichtende Richtung.

 

So hat mancher als Lotto-Millionär seine Suche nach dem Sinn des Lebens begonnen und findet sich nach Jahren ernüchternder Orientierungslosigkeit und Verzweiflung im Luxus nach erfolgreicher Suche mit keinem Cent in der Hosentasche aber glücklich wieder.

 

Entsprechendes haben auch die Ergebnisse der Wissenschaftler zu Tage gefördert: Menschen die zum Beispiel durch einen Lottogewinn Millionäre werden, leben glücklicher, wenn sie ihren Reichtum mit anderen teilen. Allein, auch auf das Wohlergeben von Mitmenschen zu achten, verändere das eigene Wohlfühl-Gefühl zum Positiven hin.

 

Reich, reicher und was dann?

 

Vermutlich wird es so einigen unter den bislang jährlich zwischen 46 und 55 frischgebackenen Lottomillionären gegangen sein, die nach anfänglicher Euphorie und höchsten ekstatischen Glücksmomenten, anschließende Phasen lethargischer Selbstzufriedenheit und Sinnleere durchlebt und ihren persönlichen Absturz hinter sich haben. Einige von ihnen haben sicherlich ihren persönlichen Ausweg aus dem Fiasko in großzügiger Selbstlosigkeit gefunden.

 

Ein Lottogewinn von einigen hundert Tausend Euro ist vielleicht noch greif- und vorstellbar: So kann endlich der Wunsch vom langersehnten Traumhaus auf einen Schlag verwirklicht, und vielleicht noch ein paar Luxusautos als Hobby angeschafft werden. Oder eine Yacht. Und vielleicht noch ein Ferienhaus an einem der schönsten Plätze auf der Welt obendrein. Aber dann?

 

Was tun, wenn man plötzlich mit mehreren Millionen gesegnet ist? Arbeiten muss man ja ohnehin nicht mehr und hat den lieben langen Tag Zeit, nur das zu tun, was man will. Aber was ist das eigentlich?

 

Schon eine kleine Jackpot-Historie

 

Diese Fragen haben sich vermutlich nicht wenige der bislang rund 1.000 Lottomillionäre seit 1986 gestellt, seit am 7. September die erste Ziehung stattfand.

 

Zwar liegt die Gewinnchance auf den Jackpot bei 1: 8.145.060, bei den Euromillionen gar bei 1:139.838.160 - und doch freuten sich dort bereits 13 österreichische Europot-Lotto-Gewinner über einen Gewinn von bis zu 55 Mio. Euro.

 

Und einige unter ihnen haben gleich mehrere Millionen auf einen Schlag gewonnen. Denn da der Jackpot bis zur nächsten Ziehung ansteigt, sollte es keinem Spielteilnehmer gelingen, die sechs richtigen Lottozahlen getippt zu haben, können schnell realitätsferne Summen zustande kommen.

 

Man spricht dann von einem Doppel-, Dreifach- oder Vierfachjackpot, wenn sich der Jackpot zweimal, dreimal oder viermal in Folge erhöht hat. So etwa geschehen im August 2015, als ein Spieler mit seinem Solosechser den zehnten Fünffach-Jackpot der Geschichte knackte und die unglaubliche Rekordsumme von 9.643.151,70 Euro gewann.

 

Den ersten Fünffachjackpot gab es im Jahr 2008, den zweiten im Jänner letzten Jahres.

 

Und erst unlängst wurde ein Vierfachjackpot geknackt, der drei Spielteilnehmer am Sonntagabend mit den sechs richtigen Zahlen jeweils zu Doppelmillionären gemacht hat.

 

Zugegeben: Das sind extreme Ausnahmen, aber immerhin streichen pro Jahr durchschnittlich noch rund 250 Gewinner eine Summe irgendwo zwischen 100.00 und einer Million Euro ein.

 

Wer vermeintlich mehr hat, als er eigentlich für sich wirklich braucht und ausgeben kann hat, gleich mehrere Probleme.

 

Reich sein kann arm machen

 

Nicht selten, dass Lottomillionäre nach ein paar Jahren völlig pleite sind und mehr Schulden haben, als jemals zuvor. Andere dagegen können zwar mit ihrem Vermögen haushalten, werden dabei aber nie mehr so glücklich, wie sie vor dem Millionengewinn waren - und sehen in dem unerwarteten Geldregen eher Fluch und Belastung, als Segen.

 

Zwar sind die Vorsätze oftmals noch großzügig und selbstlos, bevor der Tippschein ausgefüllt und abgegeben wird. Geld für gemeinnützige Zwecke oder herzensgute Spenden an vom Schicksal gebeutelte Einzelpersonen etwa werden in dem Zusammenhang oftmals als fester Vorsatz getroffen.

 

Doch mit einem Gewinn lassen viele ihre selbstlosen Ziele in der Lotto-Annahmestelle zurück und verfallen zwei Extremen: Entweder äußerst altruistisch und verschwenderisch zu sein, oder extrem egoistisch und geizig zu werden und sich im Geld gefangen zu fühlen.

 

Mit Maß und Ziel mit Geld umzugehen scheint eine hohe Kunst und ein schmaler Grat, auf dem sicher zu wandeln nicht jeder dazu in der Lage ist. Nicht wenige suchen dann Rat bei Psychologen und Psychiatern. Aber leider mitunter auch bei zwielichtigen Geld-Jongleuren und Möchtegern-Anlageberatern wie auch dubiosen Sekten andererseits.

 

Selbstlosigkeit ist der Schlüssel

Die Bereitschaft zu lernen, sein Glück auch maßvoll mit anderen zu teilen scheint der Königsweg aus dem seelischen Dilemma zwischen den beiden Extremen, wie die Wissenschaftler betonen.

 

Sie konnten Veränderungen auf neuronaler Ebene im Gehirn feststellen, die Verhaltensökonomen als „Warm glow“ – eine Art angenehmer Gefühlszustand – bezeichnen. Er trat immer dann in Erscheinung, wenn Teilnehmer einer Probandengruppe, die sich der Selbstlosigkeit verschrieb, anderen Mitteilnehmern etwas Gutes taten.

 

Dagegen blieb dieser Effekt bei der zweiten Versuchsgruppe, die zu eigennützigem, egoistischem Verhalten angehalten wurde, aus.

 

Der Effekt äußerte sich bei den Probanden aus der großzügigen Gruppe in einer erhöhten Aktivität in einem bestimmten Gehirnareal, einer Übergangsstruktur, die schon häufig mit großzügigem Verhalten in Zusammenhang gebracht worden ist.

 

Auch war die Verbindung dieses Areals mit dem sogenannten ventralen Striatum verändert. Dieser Hirnbereich sorge dann für das wohlige Glücksgefühl.

 

Selbst die Aussicht und das Versprechen, sich großzügig zu verhalten, verstärkte das Zusammenspiel zwischen der Altruismus- und Glücksregion im Gehirn.