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Lifestyle | 10.12.2018

„Natürlich wäre ich gerne mitgegangen“

Andrea Enzinger, beurlaubte Leiterin des Bildungshauses St. Georgen, im MONAT-Interview Von Wolfgang Rössler

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Wehrt sich: Andrea Enzinger spricht von einem korrekten Verhältnis © Karlheinz Fessl

Sie gilt in der Kärntner Kirche für viele als großer Reibebaum und Mit-Auslöser dafür, dass Bischof Alois Schwarz überraschend von Kärnten nach St. Pölten berufen wurde. Andrea Enzinger, unlängst zwangsbeurlaubte Direktorin des Bildungshauses St. Georgen nimmt erstmals Stellung  und spricht über ihre Rolle in der Kirche, ihr in der breiten Öffentlichkeit diskutiertes Verhältnis zum Bischof und Unrecht in der medialen Behandlung.


MONAT: Wie geht es Ihnen?
Andrea Enzinger: Nicht gut. Ich wurde erst in den Urlaub geschickt, dann hat man in meiner Abwesenheit einen neuen Direktor für das Bildungshaus St. Georgen eingesetzt. Ich kann jetzt nicht mehr für die Kirche arbeiten und angesichts der medialen Hetze ist für mich auch der Weg zurück in den Lehrerberuf verbaut. Aber ich weiß genau, dass ich mir nichts habe zuschulden kommen lassen. Auch wenn mich die Leute auf der Straße anspucken, kann ich aufrecht gehen.


Was war Ihre Rolle innerhalb der Kärntner Kirche?
Enzinger: Erst habe ich das Pilgerbüro geleitet, dann musste ich aufgrund von anonymen Briefen in den Schuldienst zurückkehren. Weil mir damals großes Unrecht angetan wurde, kam ich schließlich wieder zurück, um das Projekt Lebensräume zu leiten. Parallel dazu war ich die organisatorische Assistentin des Bischofs und schließlich Direktorin des Bildungshauses St. Georgen.


In den angesprochenen Briefen wurde über Ihr Verhältnis zu Bischof Schwarz spekuliert und behauptet, dass er Ihnen „hörig“ sei.
Enzinger: Ich habe ihm niemals etwas angeschafft. Zu einem Menschen, der so etwas zulässt, hätte ich nie so aufschauen können, wie ich es getan habe. Und er hätte das auch nie zugelassen. Ich hatte für den Bischof eine beratende Stimme, wie viele andere.


Wie würden Sie Ihr Verhältnis zum Bischof beschreiben?
Enzinger: Eine korrekte, freundschaftliche Verbundenheit. Mehr war da nicht. So wie verheiratete Männer im Normalfall weibliche Freundinnen haben können, ohne das man ihnen deswegen etwas unterstellt.


Wie urteilen Sie im Nachhinein über die Ära Schwarz in Kärnten?
Enzinger: Ich glaube, dass er oft nicht verstanden wurde. Der Bischof ist ein großer Denker mit Visionen. Er hat nach Aposteln gesucht, mit denen er seine Botschaften unter das Volk bringen wollte. Leider war es nicht immer ersichtlich, ob es jemand ehrlich mit ihm meinte.


Er wird also von seinen jetzigen Kritikern aus Unwissenheit verkannt?
Enzinger: Nicht nur aus Unwissenheit. Der nunmehrige Administrator Engelbert Guggenberger hat ihn noch in seiner Abschiedsrede als guten Kameraden gelobt. Ich war immer der Meinung, er steht voll hinter ihm. Dann kam die Wende. Heute erkenne ich ihn nicht mehr wieder.


Der Bischof hat demnach nichts falsch gemacht?
Enzinger: Ich kann an ihm keine Fehler entdecken – und das sage ich aus tiefster Überzeugung. Als Assistentin habe ich ihn als großartigen Menschen erlebt, der das Gute verbreiten wollte.


Es heißt, Sie wären Alois Schwarz gerne nach St. Pölten gefolgt?
Enzinger: Natürlich wäre ich gerne mitgegangen. Aber das ist vorerst nicht möglich.