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Lifestyle | 03.11.2020

Das nächste Luxus-Level

Christoph Steindorfer (32) fertigt seit zehn Jahren Spezielles aus edelsten Materialien. Fans der Einrichtungs-Highlights und Accessoires sind Superreiche rund um den Globus. Von Melanie Lipic-Tscheppe

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FINISH. Steindorfer kontrolliert die Spaltmaße bei einer Tischplatte aus Petroleum, einem Hochglanzmaterial aus Kunstharz © Karlheinz Fessl

Die Namen der Endkunden verrät er nicht, aber: „Wir haben schon für russische Oligarchen, für mehrere Königsfamilien aus Mitteleuropa und dem arabischen Raum sowie für Großindustrielle gearbeitet“, umreißt Christoph Steindorfer, Gründer und Inhaber von Wedenstein, die milliardenschwere Klientel. Was der Hochadel und andere Supperreiche von Steindorfer und seinem kleinen Team (zwischen fünf und 20 Leute) fertigen lassen? „Hauptsächlich machen wir Eyecatcher-Möbelstücke wie etwa Dining Tables und Skulpturen für Superjachten ab einer Länge von 60 Metern. Dazu kommen Accessoires für Privatpersonen.“

Ganz schön oberflächlich

Einen Namen gemacht hat sich der gebürtige Friesacher vor allem in Bezug auf die Gestaltung von Oberflächen: „Das ist das Aufwendigste bei jedem Stück.“ Und auch, wenn jedes Projekt anders ist und es sich immer um handgefertigte, detailverliebte Unikate handelt, ist das Vorgehen ähnlich: „Wir bauen ein Substrat aus Holz, Metall oder Kunststoff - je nach Anforderung -, die Oberfläche wird mit verschiedensten Materialien veredelt. Wir haben in den vergangenen zehn Jahren über 11.000 unterschiedliche Oberflächen entwickelt. Da sind ganz viele Sachen dabei, die es so am Markt noch nicht gegeben hat. Wir haben etwa einen Weg gefunden, um Perlmutt selbst herzustellen. Man erkennt keinen Unterschied und schont die Natur“, erklärt er. 

Ein wichtiger Punkt, der die Kärntner Firma vom internationalen Mitbewerb unterscheidet: „Wir sind nicht auf ein Gewerk fixiert. Wir liefern branchenübergreifend Meisterstücke aus. In dem ganzen 5-Sterne-Segment am Wasser also noch einmal das Sahnehäubchen – wir nennen das 7-Sterne-Segment.“ Vor Kurzem wurde ein Projekt fertiggestellt für eine norddeutsche Werft, für eine der größten Jachten (142 Meter), die 2021 ausgeliefert wird. Weitere Details? Fehlanzeige. „Es ist ein extrem vertrauliches Business. In jedem Projekt hast du mehrseitige Geheimhaltungsvereinbarungen. Du darfst kaum was, was du für jemanden anfertigst, herzeigen“, so Steindorfer.

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HANDARBEIT. Linierung einer Skulptur aus Aluminium © Wedenstein

Gehstock & Teewagen

Jaja, die Hautevolee lässt sich halt nicht gern in die Karten beziehungsweise in die Jachten schauen. Glücklicherweise sehen es einige der Big Spender dann doch etwas lockerer, sodass Steindorfer ein paar der handgefertigten Unikate zumindest beschreiben darf, die die Werkstatt im beschaulichen Judendorf bei Friesach verlassen werden. Da wäre zum Beispiel der Gehstock für einen Kunden aus London - ein federleichtes, superstabiles Prachtstück aus gewickeltem Carbon in dunklem Beerenton, mit Linierungen aus Palladium, dessen Knaufgriff Alcantara-Leder und ein Knopf aus Perlmutt zieren wird. Wir erfahren: „Bis der Gehstock fertig ist, kostet er einen fünfstelligen Eurobetrag.“

Das Projekt „Teewagen“ steht gerade in den Startlöchern. Dieser wird für eine kanadische Familie einem Original aus 1945 nachgebaut. Komplexe Intarsienarbeiten, Blattgold, Malereien und Furniereinlegebilder werden das zierliche Wägelchen zu einem rollenden Hingucker machen.

Leistungsschau

So richtig Geld in die Hand genommen hat Steindorfer für sein aktuelles Vorzeigeprojekt: „Es ist einer der aufwendigsten Tische, die wir je entworfen und umgesetzt haben. Wenn er fertig ist, hat er einen Preis im sechsstelligen Eurobereich. Insgesamt haben wir tausend Arbeitsstunden investiert“, so der kreative Kopf über das Signature Piece, das von Leonardo da Vinci und Michelangelo inspiriert ist und bei dem Dutzende Materialien wie antikes Blattgold, Metalle, Marmormehl und Acrylbinder aus Florenz etc. zum Einsatz kommen. Tipp: Auf dem hauseigenen YouTube-Channel kann man dem Wedenstein-Team über die Schulter schauen:

 

Stücke zum Angeben

Umgesetzt werden in der luftigen Werkstatt übrigens entweder Entwürfe von Designern und Architekten oder eigene Ideen. Dass es neben dem kreativen Funkenflug und dem handwerklichen Geschick in diesem Business Nerven aus Stahl braucht, ist nicht zu leugnen: „Geduld und eine extrem hohe Toleranzgrenze gehören dazu, wenn sich Kundenwünsche im Wochentakt ändern“, bestätigt Steindorfer. In zehn Jahren hat er aber nur zwei Mal fast das Handtuch geworfen - ein guter Schnitt, wie wir finden. Die Belohnung - neben Kunden mit krisenfesten Geldbörsen: „Das Schöne ist, zu sehen, dass Leute, die sich alles leisten können, mit unseren Stücken angeben“, freut sich Steindorfer über die Mundpropaganda der Klientel mit extrem hohen Ansprüchen, die ihm einen Auftrag nach dem anderen beschert.

Eigene Sparte

Steindorfer selbst ist übrigens Ingenieur und kommt aus dem Hochbau-Bereich. So ganz nebenbei hat er sich schon als junger Erwachsener kreativ ausgetobt und seiner Freude zum exklusiven Design bei Automobilinterieur in Zusammenarbeit mit Marken wie Bentley und Rolls-Royce freien Lauf gelassen.

Zurück in 2020: Obwohl es Wedenstein geschafft hat, heute weltweit nur mehr circa fünf Mitbewerber zu haben, denkt Steindorfer groß: „Bis 2027 wollen wir eine so exklusive Nische, eine eigene Sparte kreiert haben, dass wir überhaupt keinen Mitbewerb mehr haben.“ Der nächste Schritt - sowohl die Produktionsfläche als auch der Mitarbeiterstand werden aufgestockt. Gut zu wissen: Bei Wedenstein ist man immer auf der Suche „nach sehr kreativen Köpfen und nach sehr fähigen Mitspielern“. Der Einblick in die Arbeit soll für niemanden eine Abschreckung sein. Steindorfer, ganz Autodidakt „Das ist das Wunderschöne an der Sache - es hat niemand von uns das Handwerk gelernt. Das gibt‘s so nicht zum Lernen. Das Wichtigste ist die Freude an der Sache und der Rest kommt von ganz alleine.“