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Lifestyle | 02.03.2021

Upgrade für den Klopeiner See

Der Sommer war nie sein großes Problem. Es gab aber Jahre, wo sich am Klopeiner See in der kalten Jahreszeit Fuchs und Hase Gute Nacht sagten. Mit neuen Großprojekten macht sich Aufbruchstimmung breit. Von Tanja Kovačič

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FAST KITSCHIG SCHÖN. Das berühmte Kitzelberg-Panorama auf die Seenlandschaft © Gert Perauer

Ganz still liegt er da. Vereinzelte Spaziergänger tummeln sich eingemummt auf der Promenade. Sonst passiert hier so ziemlich gar nichts. Schon gar nicht an einem eher düsteren Tag im Coronawinter, aber auch in normalen Zeiten werden am Klopeiner See nach dem Sommer vielerorts, vor allem bei kleineren Betrieben - im übertragenen Sinne - die Fenster vernagelt. So wie seinerzeit in den goldenen 70er und 80er Jahren, als die Touristenmassen Europas wärmsten Badesee und dessen Hotels zur Sommerfrische überfluteten und man dann im Winter bei geschlossenen Türen gut von den Gewinnen lebte. Das mit dem Fenstervernageln könnte sich allerdings bald ändern, denn da tut sich was am Klopeiner See.

Krise? Wo?

„Der Herbst und auch das Frühjahr bieten noch viel Potenzial, denn kaum eine Region verfügt über so viele Möglichkeiten mit Wandern, Radfahren, Golfen, Naturthemen und Kraftorten. Die Themen Wasser und See ziehen sowieso immer, aber wohl noch nie so sehr wie in der aktuellen Krise“, rührt Robert Karlhofer, Geschäftsführer der Tourismusregion Klopeiner See-Südkärnten, die Werbetrommel.

 

Das untermauern die Zahlen, denn kaum eine heimische Destination verbuchte im Vorjahr einen solchen Zulauf wie der Klopeiner See. Erlebte das Frühjahr wie allerorts mehr oder weniger einen Totalausfall, kamen im Juli 2020 um 7,2 Prozent mehr Gäste in die Gemeinde St. Kanzian als im Juli 2019, im August 2020 gab es gar ein Plus von 8,1 Prozent. Nicht von ungefähr musste an der Unterkärntner Badeperle - neben dem Wörthersee - vorübergehend eine abendliche Mund-Nasen-Schutz-Verpflichtung ausgerufen werden. Und auch im Herbst zog der Klopeiner See noch extrem viele Menschen an, die in der Naturkulisse die Seele baumeln lassen wollten. Plus 32 Prozent im September, plus 22,3 Prozent im Oktober. Das kann sich sehen lassen.

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WOHLFÜHLOASE. Das dritte Kärntner Badehaus soll im Herbst eröffnen © Rendering/Krainz

Drittes Kärntner Badehaus

Und es soll noch besser werden. Viel besser. Denn nach zehnjährigem Ringen soll der Klopeiner See 2021 endlich sein Badehaus bekommen, das dritte Kärntens. Karlhofer: „Das ist vor allem für kleinere Beherbergungsbetriebe, die über keine eigenen Wellnessangebote verfügen, ein wichtiger Schritt in Richtung Saisonverlängerung und Schlechtwetterangebot.“ Investiert werden 2,4 Millionen Euro zu je einem Drittel vom Land Kärnten, der Tourismusregion und Betreiber Stefan Krainz. Die Relaxoase soll ganzjährig geöffnet sein und 150 Personen gleichzeitig Platz bieten.

Highlights sind der durchgehend beheizte Infinity Pool im Außenbereich mit Panoramablick auf den See, Ruhezonen, ein Kneippweg sowie fünf Saunen, darunter eine direkt am See, der gleichzeitig als natürliches Kalttauchbecken dient - und eine Schneesauna, die es am Klopeiner See sogar im Sommer schneien lassen wird. Als Location wurde das weitläufige und mit altem Baumbestand bestückte Strandbad Krainz am Ostufer auserkoren, wo es die längste Abendsonne am See gibt. Das Strandbad soll weiter normal betrieben werden. Angedockt wird mit einem Glasgang das Restaurant Seerose, von dem auch der Falstaff ganz angetan ist, im Restaurant entsteht ein eigener Bademantelbereich. Ein paar letzte Formalitäten seien noch ausständig, dann wolle man aber sofort loslegen und nach Möglichkeit im Oktober oder November heuer eröffnen, zeigt sich Investor Stefan Krainz optimistisch. Bezüglich der Besucherzahlen kalkuliert man konservativ: „Im ersten vollen Jahr erwarten wir knapp unter 20.000 Badegäste, wir hoffen auch auf Einheimische. Es wird Kartenkontingente für Vermieter geben, was für jene wichtig ist, die keine Wellnessmöglichkeiten haben und ihren Gästen endlich was in diese Richtung mitanbieten können.“

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AB JUNI 2021. Der alte „Seewirt“ musste weichen, ab heuer startet der Familienbetrieb neu durch © Seewirt

Badehaus-Gegner

Krainz musste bis zur bevorstehenden Realisierung allerdings viel Gegenwind in Kauf nehmen: „Vor einem Jahr wurde aber der Beschluss seitens der Tourismusregion mit großer Mehrheit gefasst. Einzig und allein der Bürgermeister ist noch dagegen.“ Das bestätigt sich auf MONAT-Anfrage, denn Bürgermeister Thomas Krainz bleibt kurz und knapp: „Ich bin nicht bereit, darüber zu reden, das Projekt ist für mich kein Badehaus - nur fünf Saunen, sonst nichts.“ Hintergrund: Der Bürgermeister forciert seit mehr als 15 Jahren ein großes Thermenprojekt, bei dem es nach wie vor stockt. Aber: „Wir arbeiten intensiv daran, das weiterzuentwickeln. Es gibt auch einen Investor, der sich sehr bemüht“, verrät das St. Kanzianer Gemeindeoberhaupt. Ironischerweise ist auch Badehaus-Betreiber Stefan Krainz Gesellschafter desselbigen Thermenprojektes. „Meiner Ansicht nach konkurrenzieren sich die beiden Einrichtungen überhaupt nicht. Das Badehaus ist für ein kleines, ruhiges Erwachsenenpublikum konzipiert, die Therme geht in eine völlig andere Richtung.“ Therme und Badehaus könnten mit vereinten Kräften den Klopeiner See wohl endgültig aus dem Winterschlaf reißen.

 

 

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NEUER SLOW TRAIL. Auch der „kleinere Bruder“ des Klopeiner Sees, der Turnersee, bekommt heuer einen Slow Trail © Franz Gerdl

Baustellen der Hoffnung

Aber das sind nicht die einzigen vielversprechenden Baustellen am See. Mit dem Appartement Resort Lakeside Klopeiner See, bei dem die Bauverhandlungen abgeschlossen sind und im September losgelegt werden soll, und dem Haus Alpensee hat Stefan Krainz selbst noch zwei heiße Beherbergungseisen am Start. 

Unterdessen entsteht an der Norduferpromenade ein weiteres Schmuckstück. Hier wird der seit 70 Jahren im Familienbesitz stehende „Seewirt“ dieser Tage von Grund auf neu aufgebaut und in ein Aparthotel der Kategorie 4*+ transformiert. Geplante Eröffnung: Juni 2021. Seniorchef Klaus Richler ist stolz: „Unter dem Credo der Nachhaltigkeit und Regionalität - wir haben, soweit es ging, nur Firmen aus dem Bezirk beauftragt - wurde der Altbau komplett abgetragen und momentan stehen wir beim Rohbau des neuen Aparthotels mit künftig 13 sehr komfortablen und luxuriösen Apartments, einer Wellnessanlage und Relaxterrasse, reservierten Komfortliegen am Strand und vielem mehr. Außerdem wird unser hauseigenes Restaurant völlig neu aufgestellt, mit Produkten aus der Region und dem ‚Geschmack der Kindheit‘. Wir werden künftig ganzjährig geöffnet haben.“ Er ist überzeugt, dass Apartments durch die Coronakrise künftig noch zum größeren Thema werden als bisher. Richler selbst will es künftig ruhiger angehen und hat den Betrieb der dritten Generation in Person von Tochter Simone Pressinger übertragen.

Zur Ruhe kommen - das ist auch das Ziel, das wenige Kilometer weiter am Turnersee mit zwei neuen Projekten verfolgt wird. Mit dem „Bike Break“ entsteht dort ein Radrastplatz mit Aussichtsturm, Kletter- und Spielmöglichkeiten sowie einem ein Mountainbikeparcours. Auf einem neuen Slow Trail mit wenigen Höhenmetern kann man ab heuer auch den Turnersee mit malerischen Aussichtspunkten leicht erwandern. Seit dem Vorjahr ist das Indoor-Spielehaus in der Walderlebniswelt in Betrieb und hofft aufs ganzjährige Durchstarten in Post-Coronazeiten. Da geht also echt was, am Klopeiner See.