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Lifestyle | 09.03.2022

Die Film-Exoten aus dem Süden

Vor 21 Jahren gründete Klaus Graf (63) seine erfolgreiche Filmproduktionsfirma in Klagenfurt. Kärnten als Firmenstandort ist er immer treu geblieben. Nun steht Tochter Livia Graf (32) in den Startlöchern. Von Melanie Lipic-Tscheppe

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Livia und Klaus Graf im Büro in der Klagenfurter Innenstadt © Peter Just

Dass man auch von der Peripherie mehr als nur gut mit den Zentren der europäischen Filmwirtschaft mithalten kann, das beweist Klaus Graf mit seiner Graf Filmproduktion GmbH: „Es ist ein Privileg, dass man von Kärnten den Beruf ausüben kann. Als Exote aus dem Süden – in dieser Rolle habe ich mich immer sehr wohlgefühlt“, lacht der gebürtige Griffner beim Interview mit dem MONAT.

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Die Klagenfurter Stadtkomödie "Harri Pinter, Drecksau" ist eine von vielen Graf-Produktionen mit Kultstatus. Man ist stets bemüht, in Kärnten zu drehen © Graf Film/Petro Domenigg

80 Filme in 20 Jahren

Mit Krimiproduktionen ist das Unternehmen ja im TV omnipräsent - Tatort, Zürich-Krimis, Die Toten vom Bodensee, Jeanny – Das 5. Mädchen„Unser Repertoire ist aber wesentlich größer. Heuer kommt zum Beispiel der erste österreichische Science Fiction-Film Rubikon in die Kinos und ich verweise auf Musical-Verfilmungen wie Ich war noch niemals in New York und Im weißen RösslNicht zu vergessen ist die sehr erfolgreiche Klagenfurter Stadtkomödie Harri Pinter, Drecksau u. v. m. In 20 Jahren haben wir 80 Filme an weltweiten Drehorten produziert“, freut sich der vielfach ausgezeichnete Filmproduzent über die spannende Vielseitigkeit der Stoffe. Ein weiteres Privileg seiner Arbeit: „Besondere Menschen wie Udo Jürgens, Joseph Vilsmaier, Andreas Prochaska und viele mehr kennenzulernen und gemeinsam Projekte umzusetzen.“

Zum Film gekommen ist Klaus Graf damals übrigens als Quereinsteiger: Ein Angebot von Filmproduzentengröße Karl Spiehs ließ ihn seinen Topjob bei Casinos Austria verlassen und die Branche wechseln: „Ich bin 1995 bei Spiehs eingestiegen, obwohl ich mit Film noch nie etwas zu tun hatte. Als Autodidakt habe ich es mir zugetraut.“ Im Jahr 2001 folgte dann der erfolgreiche Start der eigenen Firma. Der Titel des ersten Streifens, den Graf Film produziert hat, teilt uns Klaus Graf mit einem Augenzwinkern Richtung Tochter Livia mit: „Auch Erben will gelernt sein.“

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Einer der ersten ORF-Landkrimis mit dem Titel „Wenn du wüsstest wie schön es hier ist“ wurde in Hüttenberg unter der Regie von Andreas Prochaska gedreht. "Wir waren Vorreiter, wie man Landkrimis in Österreich konzipiert und umsetzt", erzählte Klaus Graf dem MONAT © Toni Muhr

Zweite Generation

Und auch Livia Graf hat das Filmfieber erst etwas später gepackt: Zwar hat sie schon als Teenager nebenbei an Produktionen mitgearbeitet - vom Setrunner, also Mädchen für alles, über Motivaufnahmeleiterin bis zur Produktionsfahrerin. Nach ihrem Wirtschaftsrecht-Studium hat sie aber Erfahrungen in anderen Branchen gesammelt und ist nun seit drei Jahren bei Graf Film mit an Bord: „Ich bin stolz darauf, Graf Film einmal weiterzuführen“, sagt die Juristin. Die Zusammenarbeit mit ihrem Vater gestaltet sich harmonisch. Dieser freut sich natürlich über den Entschluss der Tochter, betont aber auch: „Ich habe mir nicht von Beginn an zum Ziel gesetzt, dass das ein Generationenprojekt wird. Meine beiden Kinder Livia und Tobias waren immer vollkommen frei in ihrer Berufswahl.“

Ein fixes Datum zur Staffelübergabe gibt es nicht, man habe keinen Zeitdruck, sind sich die beiden einig. Livia Graf genießt inzwischen die Möglichkeit, ihre eigenen Ideen zu entwickeln. Außerdem hat sie sich als erster Green Filming Consultant in Österreich dem Nachhaltigkeitsthema verschrieben: „Stromversorgung, Müll, Kleidung, Transport, und Catering - in jedem Department kann man ansetzen, um Filme ökologischer zu produzieren“, so Livia Graf.

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Graf Film Highlights: Für "Das Wunder von Kärnten" gab es 2013 einen iEmmy-Award, den renommiertesten Fernsehpreis. "Rubikon" (Bild oben), der erste österreichische Science Fiction-Film , ist gerade in der Postproduktion © Samsara Film/Graf Film/Philipp Brozsek

Corona, Teamwork, Frauenpower

In der Coronazeit ist die Juristin besonders gefordert. Denn nach anfänglicher Unsicherheit konnte Graf Film bis heute 13 Filme während der Pandemie produzieren - unter strengsten Aufl agen und Sicherheitsvorkehrungen: „Diese waren gut. Sie haben zwar für uns Mehrkosten von bis zu 100.000 Euro pro Produktion verursacht, aber es war viel wichtiger, dass wir arbeiten konnten. Und wir glauben, das rechnen uns auch viele Kolleginnen und Kollegen sehr an“, so Klaus und Livia Graf.

Ein wichtiges Projekt 2022 ist natürlich die Feier zum Firmenjubiläum, die coronabedingt letztes Jahr verschoben werden musste: „Ich bin sehr stolz auf 20 Jahre Graf Film und vor allem auf mein kleines, ausschließlich weibliches Team, das tolle Arbeit leistet und sowohl national als auch international große Anerkennung findet. Gemeinsam mit unseren Geschäftspartnerinnen und Geschäftspartnern sowie Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern möchten wir dieses Jubiläum im Frühsommer feiern.“

 

Die Graf Film ist für ihre Vielseitigkeit bekannt
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Der Udo Jürgens-Film Der Mann mit dem Fagott 

© 2010 Toni Muhr/Ziegler Film/Graf Film

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Die Zürich-Krimis © Pascal Mora

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Das Musical Ich war noch niemals in New York © Universal