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Lifestyle | 15.09.2022

Licht aus, Nacht an!

Gegen das Verschwenden: Der Villacher Christopher Rogi (34) setzt sich gegen Lichtverschmutzung ein und sensibilisiert damit für einen wichtigen Bereich in der Energie- und Klimakrise. Von Melanie Lipic-Tscheppe

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ENGAGIERT. Christopher Rogi ist auch Vorstandsmitglied der Astronomischen Vereinigung Kärntens © Simone Attisani

Elektrotechniker Christopher Rogi bei Infineon im Einsatz und after work setzt er sich als ein „Pate der Nacht“ mit der Eindämmung der Lichtverschmutzung für eine bessere Welt ein. Das klingt nach einer Superhelden-Story à la Marvel. Nicht ganz so actionlastig vielleicht, aber das Wording passt auf alle Fälle.

Die Paten der Nacht

Ein gemeinnütziger Verein, der seinen Wirkungsbereich im deutschsprachigen Raum hat - das sind „Die Paten der Nacht“. Christopher Rogi ist das erste ehrenamtliche Mitglied in Kärnten: „Unsere Aufgabe liegt in der Bewusstseinsbildung zu den negativen Auswirkungen von zu viel und zu hellem Kunstlicht auf Natur und Mensch. Dem Großteil der Bevölkerung und vielen politischen Entscheidungsträgern ist die alarmierende Situation nicht bewusst. Wir bieten Präsentationen vor Gemeinderäten an und Aufklärung bei Sternenführungen. Die Sammlung von belastbaren Fakten auf unserer Homepage www.paten-der-nacht.de stehen im Vordergrund.“ Er setzt nach: „Es ist nicht unser Ziel, das Licht überall komplett abzuschalten, sondern es bewusster, effizienter und umweltverträglicher einzusetzen.

Dabei wird zum Beispiel die Frage der Sinnhaftigkeit von Dauerbeleuchtung mitten in der Nacht und zu Zeiten hinterfragt, in denen sie weder aus Sicherheitsgründen noch sonst wesentlich ist. Rogi: „Als Grundsatz gilt: so viel Licht wie nötig, so wenig wie möglich.“ Denn was in Zeiten von Klima- und Energiekrise nicht vergessen werden darf: Es braucht in vielen Bereichen ein gemeinsames neues Bewusstsein für sinnvollen Ressourceneinsatz. Und dafür braucht es auch Vorbilder im öffentlichen Raum.

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WUNDERSCHÖN. Die Milchstraße über der Nockalm fotografiert von Robert Ruckhofer, Mitglied der Astronomischen Vereinigung Kärntens

Die Bedeutsamkeit des Lampenschirms 

Erheblich verstärkt wird die Verschmutzung der Dunkelheit durch diejenigen Lichtanteile, die wegen unzureichender Schirmung seitlich oder gar senkrecht nach oben in Richtung Himmel abstrahlen: „Im Vergleich zu vielen anderen globalen Problemen wie Müll oder Hunger kann man hier schnell und einfach Verbesserungen erzielen - eine Lampenabschirmung vermeidet die Abstrahlung nach oben und man verschwendet somit weniger Energie.“

Dass es beim Thema Lichtverschmutzung um mehr geht als um einen schönen Sternenhimmel, der bei zu viel Kunstlicht in Städten nicht mehr sichtbar ist, lässt uns der Hobbyastronom wissen: „Fehlgelenktes Licht landet in der Erdatmosphäre und ist nicht nur verschwendet, sondern auch schädlich für Mensch und Tier. Insekten werden von Licht angezogen, verenden und fehlen als Nahrungsgrundlage und Bestäuber. Der Tag-Nacht-Rhythmus von Lebewesen wird gestört - mit dramatischen Gesundheitsauswirkungen für uns Menschen wie Schlafstörungen, Burn-out oder einem erhöhten Krebsrisiko.“

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LICHTERMEER. Die Stadt Villach in der Mitte und rechts im Bild der Verschiebebahnhof in Fürnitz © Stardust Astro by Robert Ruckhofer/Astronomische Vereinigung Kärntens

Umweltzertifikat & Earth Night am 23. September 2022

Erste Reaktionen auf Rogis Arbeit in Kärnten gibt es bereits: „Die Marktgemeinde Seeboden adressiert zum Beispiel in einem Pilotprojekt das Insektensterben“, berichtet er. Dazu können sich Unternehmen mit der Teilnahme beim Projekt „22 Uhr – Licht aus“ ein Umweltzertifikat von den „Paten der Nacht“ holen, wenn sie ihre Werbeflächen in der Nacht abschalten.

Besonders freut er sich auf die Earth Night am 23. September 2022, bei der Privatpersonen und Gemeinden mit dem Ausschalten von Beleuchtungen in Gärten, an Gebäuden und auf der Straße zur Bewusstseinsbildung beitragen: „Wir feiern somit wenigstens eine dunkle Nacht im Jahr, in der die Menschen mehr zum Himmel als aufs Smartphone schauen.“