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Lifestyle | 25.05.2022

Das geheime Tonband der FPÖ- in voller Länge

Von einem FPÖ-Bundesrat, der die ÖVP als „schwarze A***löcher“ klassifiziert. Einem blauen Nationalrat, der Strabag-Gründer Hans Peter Haselsteiner „zu blöd“ für die Flughafen-Privatisierung schimpft. Und dem Wörthersee, in dem man in Zukunft auf „Itaker“-Drohnen stoßen könnte. Ein geheimer Mitschnitt offenbart ein krudes Sittenbild hochrangiger FPÖ-Politiker.

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Die geheimen Mitschnitte der FPÖ-Parteivorstandssitzung: Der MONAT hat das ganze Material

VON FRANZ MIKLAUTZ

Während die Kärntner FPÖ-Führung nach einem „Spion“ fahndet, einer oder mehreren Personen, die eine geheime Aufnahme der Partei-Präsidiumssitzung am 17. Jänner anfertigte(n), liegt dem Kärntner MONAT nun exklusiv das gesamte Band des hochrangigen blauen Spitzentreffens vor. Und das hat es in sich.

Bei dem Treffen der blauen Führungsetage geht es darum, aus zwei Untersuchungs-Ausschuss-Varianten zu wählen: Flughafen oder Hypo. Passagen des Tapes wurden bereits am 2. Mai von der Online-Nachrichten-Plattform „5 Minuten“ veröffentlicht. Darin ging es darum, dass der Vorstand der Kärntner Beteiligungsverwaltung (KBV) Martin Payer im Zuge der Verhandlungen um den Flughafen Klagenfurt von FPÖ-Nationalrat Christian Ragger als „zu dumm zum Scheißen“ und die ÖVP als „schwarze Facken“ beschimpft wurden. Daraufhin hatte sich FPÖ-Obmann Erwin Angerer öffentlich entschuldigt.

FPÖ_Präsidiumssitzung_Bundesrat Ofner nennt ÖVP schwarze A...löcher

Bundesrat Ofner. Doch das ist nur ein Teil des Tonbands. Die vorliegende Vollversion schlägt nun weitere Wellen. Da zieht nämlich nicht mehr nur ein Nationalrat über politische Gegner und unliebsame Personen her, sondern auch ein FPÖ-Bundesrat: Josef Ofner, der Hüttenberger Bürgermeister. Er klassifiziert die Türkisen kurzerhand als „schwarze Arschlöcher“.

Doch auch Ragger ist mit weiteren fragwürdigen Aussagen stark präsent: Strabag-Gründer Hans Peter Haselsteiner, er hatte in der Anfangsphase der Ausschreibung des Flughafens um selbigen mitgeboten, war dann aber ausgestiegen, attestiert Ragger in Zusammenhang mit dem Airport rundheraus einen unschmeichelhaften geistigen Zustand: Er sei aus dem Bieterrennen geflogen, weil er „zu blöd“ war, „weil er für die Aviation keinen gehabt hat“.

FPÖ_Präsidiumssitzung_Haselsteiner zu blöd_Brüder bei der Mauer! 

Aber nicht nur das: Ragger, im Brotberuf Rechtsanwalt, erklärt, dass die SPÖ den Flughafen für Haselsteiner eigentlich schon angerichtet gehabt hätte. Er bezeichnet die Sozialdemokraten als „rote Brüder“ Haselsteiners, „die alle bei der Mauer sitzen“.

 

 

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Ex-Strabag-Boss Hans Peter Haelsteiner, war laut Ragger "zu blöd"! für das Bieterverfahren um den Flughafen Klagenfurt ©Puls4/Gerry Frank

Brisant: Aus dem Tape kommt zum Vorschein, dass Ragger an diesem Abend des 17. Jänner bereits in Flughafen-Themen „involviert“ ist, wie er es selbst nannte. Nun, vier Monate später, dementiert er dies und erklärt auf Anfrage, „dass ich nochmals bestätige, in keine geschäftlichen Verbindungen zum Flughafen zum Zeitpunkt der Tonbandaufnahme involviert gewesen zu sein“. Brisant ist das deshalb, weil Ragger sich an diesem Abend in einer 15-minütigen Rede gegen den Flughafen-U-Ausschuss ausgesprochen hatte, von dem man vermuten könnte, dass dieser seinen Airport-Agenden nicht zuträglich gewesen wäre.

FPÖ_Präsidiumssitzung_3_Eingeschränkte Prüfmöglichkeiten_U-Ausschuss Flughafen

Auch die Wirtschaftskammer geht Ragger an: Er glaubt, "Wirtschaftskammer-Eier" wie die Firmen Kollitsch, Porr und die Strabag könnten sich die Grundstücke "einzeln herausziehen", wenn Oraschs Projekte nicht umgesetzt werden. 

FPÖ_Präsidiumssitzung_Wirtschaftskammer_Eier

"Memorandum of Understanding". Ragger tätigt am Band sehr bestimmende Aussagen, die nahe legen, dass er in Verhandlung mit einem oder zwei Unternehmen - der österreichischen Frequentis und der italienischen Leonardo - zwecks Ansiedlung am Flughafen stünde. So gibt er etwa folgenden denkwürdigen Absatz zum Besten: „ (…) wo jetzt grad mir vor einer halben Stunde der Liesnig (Vizebürgermeister Klagenfurt, Anm.) gesagt hat, dass wieder nichts rauskommt (…) und sie morgen wieder alles vertagen werden“. Er geht damit auf die am nächsten Tag stattfindende Generalversammlung des Flughafens ein, in der beschlossen werden sollte, dass die nicht betriebsnotwendigen Grundstücke an Investor Franz Peter Orasch (Lilihill-Gruppe) gehen sollen – was jedoch nicht geschah, da das Land Kärnten Oraschs Vorschläge nicht akzeptierte.

FPÖ_Präsidiumssitzung_6_GV KFBG_Zu deppert

Für den Fall, dass es also „morgen“ wieder nichts werde mit der Grundstücksübernahme durch Orasch, kündigt Ragger selbstbewusst an, „dann werden wir unser fertiges MOU (Memorandum of Understanding; Vereinbarung, Anm.) zwischen dem erfolgreichsten Technologieunternehmen in Österreich, nämlich Frequentis, und Leonardo morgen öffentlich zurückziehen. Und dann geh ich damit nach Cervignano oder in die Steiermark oder vielleicht (…) sogar nach Völkermarkt, weil dort hab ich das Areal“, sagt Ragger. „Wenn die Klagenfurter mit dem Land zu deppert sind (…), dann ist ihnen nicht mehr zu helfen“. Und dann sind da noch die Fluten des Wörthersees, die für "Itaker"-Drohnen offenbar prädestiniert wären.

FPÖ_Präsidiumssitzung_"Itaker"-Unterwasser-Drohnen_Leonardo

Aber alles wollen wir noch nicht verraten ...

Wir haben die geheimen Tonband-Ausschnitte für Sie nachgesprochen. In der Hauptgeschichte in Heft 6/2022, das ab Freitag im Handel erhältlich ist, haben wir der leichteren Lesbarkeit halber – wie auch hier – die Zitate schriftlich ins Hochdeutsch „übersetzt“. Auf den Tondateien sind sie aber (wie im Original) in Mundart nachgesprochen. Die gesamte Story, Hintergründe und Zusammenhänge, lesen Sie wie gesagt im aktuellen Heft ab Freitag im Handel. Die Geschichte hat Thrill. Es zahlt sich aus.