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Lifestyle | 19.03.2019

Cholesterin: the lower the better

Ein zu hoher Cholesterinspiegel im Blut stellt ein Gesundheitsrisiko dar. Worauf wir achten sollten und was zu einer Senkung des Spiegels beiträgt.

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© i Stock by Getty Images

Herz-Kreislauf-Erkrankungen gelten nach wie vor als die häufigste Todesursache in den Industrieländern. Alarmierend ist das zunehmende Gesundheitsrisiko durch Übergewicht und Fettsucht. Denn diese Life­style-Erkrankungen sind die Ursache für mehr als 80 Prozent aller ­Todesfälle weltweit. Sie sind häufig Folge von zu hohen Cholesterinspiegeln im Blut (Hypercholesterinämie) und Stoffwechselveränderungen, verursacht durch den Verzehr von Fastfood mit hohen Anteilen an Fett, Zucker, Cholesterin und Salz. Erhöhtes Gesamtcholesterin und zu hohes LDL-Cholesterin, das im Volksmund sogenannte „böse“ Cholesterin, sind wesentliche Risikofaktoren. Ab wann mit einer deutlich erhöhten Gefahr für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu rechnen ist, hängt aber vom individuellen Gesamtrisiko des Patienten für diese Krankheiten ab. So unterscheiden sich die empfohlenen Cholesterin-Obergrenzen für gesunde Menschen ohne Risikofaktoren erheblich von denen, die für Patienten mit Herz- oder Gefäßleiden als gerade noch akzeptabel eingestuft werden.

Mit Ernährung gegensteuern. Bei allen Menschen ohne bereits bestehende Herzerkrankung sollte im ersten Schritt zur Senkung eines erhöhten Cholesterinspiegels die Ernährung umgestellt werden. Besonders vorteilhaft ist dabei die Mittelmeerdiät. Diese besteht aus viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten, mehr Fisch als Fleisch sowie Olivenöl oder Rapsöl. Schlechte Fette wie tierische Fette (Butter, Schmalz) und Transfette (in Fertigprodukten) sollten möglichst vermieden werden. Eine aktuelle Studie mit mehr als 500.000 Personen zeigt: Die mediterrane Küche vermindert nicht nur das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall, sondern auch für Krebs, die Alzheimer- und die Parkinson-Erkrankung. Auch die Einnahme von Phytosterinen als pflanzliche Therapiemaßnahme zur Cholesterin­senkung kann unterstützend bei zu hohen Cholesterinspiegeln eingesetzt werden. Wichtig und wirksam zur Verbesserung der Cholesterinwerte ist aber auch die Beeinflussung der weiteren Risikofaktoren: Als erste Maßnahme sollte das Rauchen eingestellt werden. Übergewicht ist abzubauen und man sollte auf regelmäßige Bewegung achten. All dies wirkt sich nicht nur günstig auf den Fettstoffwechsel, sondern auch auf den Kohlenhydratstoffwechsel und somit auf das Gesamtrisiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus.

 

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Cholesterin-Leitlinie. ­Brandaktuell ist die neue Cholesterin-Leitlinie, die im November 2018 in Chicago am amerikanischen Kardiologenkongress vorgestellt wurde. Erfreulicherweise stellen die USA-Leitlinien die individuelle Risikoabwägung und das Patientengespräch in den Mittelpunkt. Regelmäßige Kontrollen durch eine Blutuntersuchung im Labor alle 4 bis 12 Monate und bei Bedarf eine Dosis-
anpassung der verschriebenen Medikation werden wieder empfohlen. Auch mögliche Nebenwirkungen wie Statin-assoziierte ­Muskelbeschwerden können im Gespräch diskutiert werden. Als zusätzliche Information über das Ausmaß der Gefäßverkalkung bei hohen Cholesterinspiegeln gilt auch die Bestimmung des Kalks in der Halsschlagader (Karotis) und den Herzkranzgefäßen (Koronargefäßen). Diese Untersuchung kann rasch und nicht invasiv mittels CT bestimmt werden.
Statine sind ein Eckpfeiler in der Behandlung des erhöhten Cholesterins. 10 bis 15 Prozent der Patienten berichten allerdings unter längerer Einnahme von leichten bis mittelschweren Muskelschmerzen.

Cholesterinsenkend. Keinesfalls sollte man das Statin wegen eventuell aufgetretener Muskelschmerzen eigenständig absetzen. Da die cholesterinsenkende Wirkung der Statine auf ­einer Enzymhemmung beruht und gleichzeitig die Bildung von Coenzym Q10 (CoQ10) unterbunden wird, das in besonders hohen Konzentrationen im Muskel vorkommt, kann es unter längerer Einnahme von Statinen zu Muskelschmerzen kommen. Einer Studie zufolge kann die zweimal tägliche Einnahme von 50 Milligramm CoQ10 das Ausmaß der Muskelschmerzen halbieren (im Vergleich zur Kontrollgruppe, die ein Scheinmedikament eingenommen hatte). Die Zufuhr von 100 Milligramm CoQ10 pro Tag ist eine sinnvolle Möglichkeit, diesen leichten Muskel­schmerzen zu begegnen. 

Cholesterin:

  • Ein gesunder Lebensstil sollte sich durch das ganze Leben ziehen, da dieser das Herz-Kreislauf-Risiko bei allen Altersgruppen reduziert.
  • Bei allen Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankung sollte das LDL-­Cholesterin mit hochwirksamen ­Statinen behandelt werden, um dieses um mindestens 50 Prozent zu senken: „The lower the better.“
  • Bei Patienten zwischen 40 und 75 Jahren sollte eine Arzt-Patient-Risiko­abschätzung erfolgen, bevor ein Statin eingenommen wird. Risikofaktoren wie Nikotinabusus, Bluthochdruck und die Vorteile einer Lebensstil-Intervention sowie einer Statintherapie inklusive Nebenwirkungen sollten besprochen werden.  
  • Der Wunsch und die „Präferenz“ des Patienten sollten in die Entscheidung des Arztes mit eingehen.

Text Christine Dominkus