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Lifestyle | 30.05.2019

Wenn Lisa ihre Wurzeln sucht

Für ihr altes Auto bekam Lisa Wieland 3.000 Euro. Genug Geld, um sich das Arbeitsvisum in Beverly Hills zu bezahlen. Die beste Investition ihres Lebens, wie sich herausstellte. „Lisa, du musst ins Ausland“, redete ihr Ausbildner, Hochschober-Küchenchef Josef Dorner, schon bei der Lehre beharrlich auf sie ein. Großes stehe ihr bevor, meinte Dorner. Und er behielt recht. Ein Jahr lang kochte die Hüttenbergerin im „Zuma“, jenem japanischen Restaurant in London, in dem sich Schauspielgrößen wie Hugh Grant, Zac Efron oder Formel-Eins-Star Louis Hamilton die Klinke in die Hand geben. „Das imponiert einem so jungen Mädel vom Land halt schon“, schwärmt Wieland noch heute.

 

Allein unter Männern. Die nächs- te Station für das Mäderl aus Hütten- berg war noch exklusiver: Das Burj Al Arab, eine der besten Adressen in Du-bai. Für Wieland anfangs eine große Umstellung: „Als einziges Mädchen bei 21 Köchen muss man schon zu kratzenwissen“, erzählt sie. Sie wusste offenbar aber auch gut zu kochen. Nach drei Jahren Dubai schaffte es die Kärntnerinmit gerade mal 23 Jahren zum „ Senior Chef de Partie“. Ihr Einsatz hat sich ge- lohnt. „Mir war halt nie eine Extrameile zu viel“, erzählt sie. Auch nicht die Flugmeilen zu ihrer nächsten Arbeitsstätte. Das Spago in Beverly Hills. „Daran ist mein Onkel schuld“, schmunzelt die Hüttenbergerin im Gespräch mit dem MONAT.

 

Nach drei Jahren Dubai meinte er, es gebe nur noch einen, für den Lisa nun kochen könne. Wolfgang Puck. Einen Job im Spago in Beverly Hills zu bekommen war dank ihrer Qualifikationen nicht so schwer wie der Weg dorthin. „Ich musste mir selbst ein Arbeitsvisum besorgen.“ Die Kärntnerin setzte alles auf eine Karte, verkaufte ihr Auto, investierte die 3.000 Euro in ein Arbeitsvisum und stieg in den Flieger nach Los Angeles. „Ich wusste nicht mehr als dass ich an einem gewissen Tag im Spago auftauchen soll.“ Der Traum von Hollywood lief etwas holprig an. „Ich stand dort, niemand wusste zuerst, wer ich bin.“ Ihr erstes Zusammentreffen mit Wolfgang Puck vergisst sie auch nie: „Ich war so nervös, aber ich sagte, hey Chef, ich bin auch aus Kärnten.“ Seither nennt sie Puck gerne „Schatzale“ und freut sich über jede Gelegenheit mit Lisa in seiner Muttersprache zu plaudern. Auch bei der Oscarverleihung, bei der Puck seit Jahren für die VIP-Stars aufkocht, hat er Wieland an seine Seite gestellt. Sie war aus London ja schon viele Stars gewöhnt, aber die Oscarverleihung setzte da noch einiges drauf, meint sie. Die Celebrities dort seien auch furchtbar anstrengend. „Keiner hat eine Geduld, jeder glaubt, er sei wichtiger als der andere“, erzählt die Starköchin.

 

Zwiebelrostbraten für Puck. Stars und Sternchen spazieren nun auch im Londoner „Cut at 45 Park Lane“ ein und aus, in dem Wieland seit 2015 das40-köpfige Küchenteam leitet. „Hier istaber nicht so viel Trubel wie im Spago. Außer: Der Chef kommt unangekündigt auf Besuch. „Äh Lisa, kannst du mir bit- te einen Zwiebelrostbraten machen?“, lautete die Bitte am Telefon. „Klar, Chef, wann denn?“ „In einer halben Stunde!“. Auf den Anruf folgte Hektik pur. Zwei mal pro Jahr besucht Puck sein Londoner Team für gewöhnlich. „Es ist aber auch ein gutes Zeichen, wenn der Chef nicht so oft kommt“, scherzt Lisa. Dann wisse sie, dass sie ihren Job gut mache.

Zurück zu den Wurzeln. Seit gut zehn Jahren ist Lisa Wieland nun im Ausland. Nicht nur ihre Kocherfahrung wurde dadurch immer größer. Auch das Heimweh. „Ich dachte immer, das wird mit der Zeit kleiner, wurde es aber nicht“. Ein Stückchen Heimat holt sich Wieland schon seit Jahren ins Restaurant. „Ich schenke Pfau-Schnäpse aus, koche mit Kürbiskernen oder ver- wende Kärntner Sekt. „Es muss ja nicht immer Dom Perignon sein“, sagt Wieland, die auch Genussbotschaf- terin vom „Marktplatz Mittelkärnten“ ist. „Da komm ich her, da sind meine Wurzeln – das kann man nicht liegen lassen“, sagt sie. Sie lebe zwar in London, ihr Daheim sei aber Hüttenberg. hier fühlt sie sich wohl: „Im Luxus schwimmen und Prinzessin spielen, das liegt mir nicht“, sagt Wieland.

 

Der größte Vorteil ihres Jobs ist auch, dass sie ihre eigenen Dienstpläne schreibt. So gehen sich alle zwei Wochen Flüge in die Heimat aus. Das muss auch sein, weil sie hier noch mit ihrer Oma viel am Herd steht: Für ein ganz besonderes Herzensprojekt. Ihr Kochbuch. Tref- fenderweise heißt es: „Back to the Roots“. Die 28-Jährige hat Rezepte ihrer Großmutter modernisiert „und mit internationalem Schwung“ gewürzt.

 

„An meinen freien Tagen liebe ich es, den Bauernmarkt oder eine Food Hall aufzusuchen, um zu sehen, welche Produkte gerade Saison haben“, erklärt sie, wie ihre Rezepturen entstehen. „Wenn ich etwas ergattert habe, das mir gefällt, ist es mir wichtig, meinen ,Fang‘ in den Mittelpunkt zu stellen.“ Wenn nun Lisa Wieland mit ihrem Buch im Mittelpunkt steht, dann auch vor den Augen ihrer internationalen Koch-Kollegen. WolfgangPuck selbst schafft es nicht, aber Köche aus Russland,der Schweiz, Paris, Dubai und natürlich London. Und die lässt die Top-Köchin nicht ohne eine Mittelkärnten-Genusstour heimfliegen. Einer kulinarischen Tourzu ihren Wurzeln.

 

Back to the Roots. Lisa Wieland ist Küchenchefin im „Cut at 45 Park Lane“ von Starkoch Wolfgang Puck in London. Die 28-jährige Hüttenbergerin ist auch Genussbotschafterin von „Marktplatz Mittelkärnten“.
Ihre Liebe zu den Kärntner Produkten spiegelt sich auch in ihrem Kochbuchdebüt „Back to the Roots“ (Heyn Verlag) wider. Präsentiert wird das in Deutsch und Englisch erscheinende Buch am 1. Juni in Knappenberg.