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People | 25.01.2019

Der findige Förster

Wer ist Klaus Littmann wirklich? Der Kunst-Unternehmer setzt das Wald-Projekt im Stadion um. Autor: Franz Miklautz

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Netzwerker: Wenn Klaus Littmann anklopft, gehen die Türen auf

30.000 Menschen winden sich die waghalsige Treppe eines Baugerüsts hoch. Um einen Engel anzustaunen. Den Himmelsboten, eine Art Wetterfahne auf dem Chordach des Basler Münsters, hatte zuvor ein Künstler mit einem Wohnzimmer umbaut. In 40 Meter Höhe. Oben am Dach fielen die Besucher dann atemlos vom Treppensteigen ins Sofa und konnten den durch Boden und Stubentisch ragenden Wetterfahnenengel anhimmeln. Fünf Wochen ging das so, dann wurde der Engel wieder freigelassen. „Temporäre Intervention“ nennt Klaus Littmann das. Der Schweizer wird im September und Oktober das Klagenfurter Wörthersee Stadion mit 200 Laubbäumen bepflanzen.

Planeten an der Leine. Das Projekt „Engel“ ist 2002 eine der ersten Installationen Littmanns. Kurz getaktet folgen weitere. Die letzte Aktion: Da nimmt er 12 Kunstplaneten mit einem Durchmesser von je vier Metern an die Leine und lässt sie über Basel schweben, bepumpt sind die Ballons mit Gas. Projektname: „Jardin des Planetes“. Aber noch ist der ganz große Wurf nicht dabei. Der, der ihn auf dieselbe Bühne spült, auf der Christo und Jeanne-Claude spielen. Die Künstler, die 1995 den Deutschen Reichstag verhüllten.

Netzwerker. Littmann ist in seinen Projekten nicht immer zwingend der Künstler, der Hand anlegt. Mitunter laufen die Vorhaben „nur“ über seine Littmann Kulturprojekte GmbH, die er 2004 gründet. Den Engel auf dem Münsterdach etwa hat ihm 2002 der japanische Künstler Tazro Niscino eingehaust, nach seiner Idee zwar, aber: „Ich sehe in Littmann keinen Künstler“, sagt ein Schweizer Redakteur, der, als er hört, um wen es geht, ersucht, ungenannt zu bleiben. Littmann sei eher der „Kulturunternehmer“, der für Events sorgt. „Bei denen es darum geht, spektakulär und sensationell zu sein – und gut sichtbar.“

Dennoch: Der Schweizer hat eine Spürnase für aufsehenerregende Aktionen. „In Basel kennt Littmann jeder. Er ist ein begnadeter Netzwerker mit besten Kontakten und sehr guten Einfällen“. So wird Littmann in Basel mit der Zeit so etwas wie der „Missing Link“ in der Kulturszene. Kaum kommt ihm eine Idee, weiß er auch schon den Künstler und den Ort, wo er seine Gedanken zu quotenstarken Realisierungen werden lässt.  Nur beim Wald-Projekt „For Forest“ sucht Littmann seit den 1990ern ein Stadion. Bis er fündig wird: In Klagenfurt. Damals, Anfang der 90er, verdient der spätere Basler Kulturpreisträger seine Brötchen noch als Galerist – geht damit jedoch Pleite. Aber Littmann fängt sich wieder, denkt größer und stülpt dem Konzept „Galerie“ nun das Häubchen „Open Air“ über und sattelt um auf: Interventionator. Im öffentlichen Raum.

„Sponsoren und Künstler werden anscheinend im Angesicht seiner Begeisterungsfähigkeit schnell weich“, beschrieb der deutsche Kunstkritiker Reinhard Ermen schon 2002 den Schweizer. Eine außergewöhnliche Sponsoren-Suchmaschine, die es immer wieder schaffe, immense Summen für seine Projekte einzusammeln. Was ihm offenbar auch in Klagenfurt gelingt. Die kolportierten Kosten sind von einer auf 1,5 und nun 2,2 Millionen Euro gestiegen. Die spielt Littmann teils als „Baumauktionator“ herein: 5.000 Euro verlangt er für eine Baumpatenschaft. Den Rest schultern private Mäzene. Den Klagenfurter Steuerzahler, das beteuert Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz (SPÖ), koste der Stadionwald lediglich 35.000 Euro.

Der übrigens hat eine zarte Analogie zum Engel auf dem Münsterdach: Auch ins Stadion passen 30.000 Besucher. Pro Tag.

Umfrage
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Ronald Zechner, Bildhauer: „Gefällt mir gut, ein wirklich spannendes Projekt: Der Mensch sieht sich den Wald im Stadion an, bevor er dann endgültig weg ist und alles untergeht. Besser geht´s doch gar nicht, oder? Ich bin ein absoluter Befürworter dieser Installation.“ © Privat
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Eva Asaad, Fotokünstlerin: „Ich finde es gut, dass dieses Projekt in Klagenfurt über die Bühne geht. Kunst im öffentlichen Raum sollte überhaupt viel mehr Wertschätzung erfahren. Außerdem bringt es viele verschiedene Kulturschaffende zusammen, was auch positiv zu bewerten ist. Die Aktion wird von außen sicher wahrgenommen werden und international für Werbung sorgen. Hoffentlich interessiert sich auch die Bevölkerung dafür.“ © Privat
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Ina Loitzl, Multimedia-Künstlerin: „Allein, dass über diese Kunstaktion gesprochen wird, ist schon eine gute Sache. Denn Kunst kommt durch Kommunikation. Geld für die Kunst ist gut investiertes Geld, es wird nur immer kritisch gesehen – im Gegensatz zum Sport. Aber außer Fußball und ein paar Konzerten ist im Stadion nichts los. Es ist für Klagenfurt ja viel zu groß. So gesehen wird die Fläche dieses Mahnmals wenigstens genutzt.“ © Privat