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People | 15.03.2019

Greta Thunberg ist für den Friedensnobelpreis nominiert

Die schwedische Schülerin mobilisiert weltweit Jugendliche. Rund um den Globus wird jetzt protestiert. Ihre Erfolgsgeschichte.

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Gretas Welt: Greta in Stockholm im August 2018. © picturedesk.com

Die 16-jährige Umweltaktivistin Greta Thunberg ist für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen worden. Gleich drei norwegische Parlamentarier, darunter unter anderem der Abgeordnete Freddy Andre Ostvegard, haben die junge Klimaschutzaktivistin aus Schweden für den Preis nominiert. Mit ihrem Klimastreik hat die Schülerin eine "Massenbewegung" gestartet, so Ostvegard. Diese betrachtet der Abgeordnete als einen wichtigen Beitrag zum Frieden: "Wenn wir nichts tun, um den Klimawandel zu stoppen, wird er für Kriege, Konflikte und weitere Flüchtlinge sorgen", so Ostvegard.

So entstand die "Fridays for Future" Bewegung: Seit dem Sommer bleibt die engagierte Schülerin jeden Freitag der Schule fern und demonstriert vor dem Parlament in Stockholm für den Kampf gegen den Klimawandel. Ihr Vorbild hat inzwischen eine internationale Bewegung ausgelöst: Die ,,Fridays for future"-Demonstrationen brachten in den vergangenen Wochen tausende Schüler in mehr als hundert Ländern für den Klimaschutz auf die Straße.

 

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Aus einer Liste des Netzwerks #FridaysForFuture geht hervor, dass am Freitag, den 15. März 2019, in mehr als 100 Staaten weltweit Demonstrationen erwartet werden. Damit erreichen die Proteste einen neuen Höhepunkt. Noch nie zuvor wurden solch' umfassende internationale Schulstreiks für das Klima auf die Beine gestellt.

Mittlerweile stellen sich sogar Eltern mit „Parents for Future“ an die Seite der Jugendlichen. Diese fordern unter anderem, dass das Schulsystem auf Schulverweise oder andere disziplinarischen Maßnahmen verzichten soll, wenn Schüler für Proteste den Unterricht schwänzen.

 

Die Erfolgsgeschichte von Greta Thunsberg lest ihr ab sofort im neuen look! oder hier online:


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Sie trägt Zöpfe wie Pippi Langstrumpf. Und genau wie das schwedische Anar­cho-Kid aus der Feder von Astrid Lindgren nimmt sich die schwedische Schülerin Greta Thunberg kein Blatt vor den Mund. Und genau wie Pippi ist sie schlau – und ein wenig anders. Greta ist 16, und seit August des Vorjahrs hat sie weltweit zig­tausende Kinder und Jugendliche mobilisiert, es ihr gleichzutun – gegen die Erderwärmung zu protestieren und damit Regierungen und den mächtigsten Lobbys der Welt die Stirn zu bieten. Das US-Magazin Time nahm Greta Thunberg als Folge in die Liste der einflussreichsten Teenager des Jahres 2018 auf.

Greta mobilisiert die Massen. Es war der 20. August 2018, der alles veränderte. An jenem Tag brachte Greta Thunberg eine Lawine ins Rollen. Sie ging nicht zur Schule, sondern bastelte sich ein Schild mit der Aufschrift „Skolstrejk för Klimatet“ (Schulstreik für das Klima) und setzte sich vors Parlament in Stockholm. Auch Broschüren hatte sie vorbereitet, auf denen sie ganz deutlich ihre Meinung kundtat: „ … nachdem ihr auf meine Zukunft scheißt, scheiße ich auch darauf.“


Gretas Schulstreik blieb nicht ­unbemerkt. Am nächsten Tag saß ein Jugendlicher neben ihr. Der Beginn ­einer weltumspannenden Protestaktion. Mittlerweile gehen nach Gretas Vorbild zigtausende Kinder und Jugendliche in fast 300 Ländern auf die Straße, das Motto: Hashtag #FridaysforFuture – in Großbritannien und in Uganda, in Italien und in Australien, in Österreich und in den USA. Ja, auch in Wien wird seit mehr als zwei Monaten immer freitags für den Klimaschutz demonstriert.

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Gretas Vater Svante Thunberg begleitet die 16-Jährige – wie hier zum Klimagipfel in Kattowitz. © picturedesk.com

Who’s that girl? Greta wuchs behütet in Schweden auf. Die Mutter, Malena Ernman, Opernsängerin und Song-Contest-Teilnehmerin 2009, der Vater, Svante Thunberg, Schauspieler. Als Greta elf war, wurde bei ihr das ­Asperger-Syndrom, eine leichte Form des Autismus, diagnostiziert, das sich u. a. darin äußert, dass die Pflege von sozialen Beziehungen schwerfällt. Gleichzeitig werden oft Interessen für spezielle Wissensgebiete entwickelt. Greta beeinträchtigte das Asperger-Syndrom in der Schule kaum. Dagegen warf sie vor einigen Jahren ein Ereignis völlig aus der Bahn. Sie sah im Fernsehen eine Dokumentation über Plastikmüll im Meer – und litt ob der Unachtsamkeit der Regierungen und der mächtigen Lobbys, die ihre Gewinnsucht vor den Umweltschutz stellen, dermaßen große Seelenqualen, dass sie vorübergehend das Essen einstellte.


Zunächst beeinflusste Greta mit ihrer Überzeugung, dass sofort und ­radikal Klimaschutz praktiziert werden muss, ihre Familie: Die Mutter verzichtet mittlerweile auf Engagements im Ausland, um nicht mehr fliegen zu müssen, der Vater ernährt sich vegan. Danach eroberte Greta mit ihrer Überzeugung die Welt. Sie hielt bei Protest­aktionen in Großbritannien und in Finnland bejubelte Reden, sie sprach im vergangenen Dezember beim Klimagipfel im polnischen Kattowitz und zuletzt sorgte ­Greta Ende Jänner beim Weltwirtschaftsforum in Davos für Aufsehen.

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Im Jänner 2019 wurde sie beim Weltwirtschaftsforum von Christine Lagarde, Direktorin des Internationalen Währungsfonds, begrüßt. © picturedesk.com

,,Ich will, dass ihr handelt wie in einer Krise, als würde euer Haus brennen. Denn es brennt.", so Greta Thunberg.

 

„Ich will, dass ihr Panik habt!“ Bei diesem Treffen der Wirtschaftsgranden in der Schweiz verkündete Greta ihre Botschaft: „Manche Leute sagen, wir alle hätten die Klimakrise gemeinsam verursacht. Doch das ist nur eine bequeme Lüge. Denn wenn alle schuldig sind, ist niemand schuldig zu sprechen. Aber es gibt Schuldige.“ „Einige Leute, ­einige Unternehmer“, so Greta weiter, „vor ­allem einige Entscheidungsträger wussten genau, welchen unbezahlbaren Wert sie opfern, um weiterhin unglaubliche Mengen Geld zu verdienen.“ Mutiger Nachsatz: „Ich glaube, einige von ihnen hier gehören zu dieser Gruppe.“


Während Greta in Davos war, traf sie u. a. die Direktorin des Währungsfonds, Christine Lagarde. Zur selben Zeit protestierten in Brüssel mehr als 35.000 Schüler. „Helden!“, freute sich Greta. Reporter bestürmten die 16-Jährige, denn mit ihrem Aufruf zur Revolte, mit ihrem Ungehorsam gegenüber den Mächtigen, hat sie den Nerv der Zeit getroffen. Nach dem Hitzesommer des Vorjahrs, nach Dürre und Flutkata­strophen und verheerenden Unwettern, verwunderte der Report des Weltklimarats IPCC 2018 nicht: „Die Begrenzung der globalen Erwärmung erfordert schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft.“

 

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Jetzt wird nach Gretas Vorbild überall gestreikt. © picturedesk.com

Greta ist die Galionsfigur des Klimaschutzes, die Schutzheilige der Erde. Sie und all die anderen jungen Menschen, die von Politik und Gesellschaft fordern, dass sofort und mit Nachdruck gegen die Erderwärmung vorgegangen wird, sind in höchstem Maß glaubhaft, da es um ihre Zukunft geht. Sie lehnen sich gegen Ignoranten wie Trump auf, sie akzeptieren Ausreden und Lügen nicht länger. Ob das den Gottobersten gefällt oder nicht. Auf dem UN-Klimagipfel sagte Greta: „Unsere Zivilisation wird für die Chancen einer kleinen Gruppe von Menschen geopfert, die immer mehr Geld verdienen will.“ Und an jene sind diese Worte gerichtet: „Ich will, dass ihr Panik habt. Ich will, dass ihr Angst empfindet, Angst, die ich ­jeden Tag spüre. Und dann will ich, dass ihr handelt wie in einer Krise. Ich will, dass ihr handelt, als würde euer Haus brennen. Denn es brennt.“

Pippi ist böse. Zu Recht.