Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 07.06.2019

Der Doktor macht einen Schnitt

Arthur Worseg hat ein Buch geschrieben, das keine Abrechnung mit der Branche sein soll. Es ist aber eine. Stefan Jäger hat den aus Kärnten stammenden Beauty-Doc getroffen

Bild 1905_K_Report-Worseg_KK_5.jpg
" Heute lehne ich viel öfter Dinge bewusster ab als noch vor einigen Jahren": Arthur Worseg © Apa Picturedesk/Gruber

Herr Doktor Worseg, Sie könnten gerade in Ihrem Weinberg in der Buschenschank stehen statt sich auf die nächste Operation vorzubereiten und mit mir zu sprechen. Warum tun Sie das eigentlich nicht?
ARTUR WORSEG: Lustig, ich bin gerade in die Arbeit gefahren und hatte den gleichen Gedanken. Den habe ich ja immer wieder, ich bin ja quasi ein Auslaufmodell. 

Was hält Sie davon ab?
ARTUR WORSEG: Zwei Mal in der Woche schaue ich in der Buschen- schank nach den Dingen. Aber ich habe einen Betrieb mit 100 Mitarbeitern, mit dem ich eng verbandelt bin. Ich könnt‘ nur theoretisch aufhören.

Salopp gesagt: Wenn einer schon alles gemacht hat, dann schreibt er ein Buch. War das bei Ihnen mit „Deine Nase kann nichts dafür“ auch so?
ARTUR WORSEG: Nein. Oder besser: Nicht ganz. Ich wollte einen Gedankenanstoß liefern. Aber es war als Fachbuch gedacht.

Gedankenanstoß wofür?
ARTUR WORSEG: Um über den Grund für eine Schönheitsoperation nachzudenken. In Wirklichkeit operiere ich ja nicht an einem Körperteil, sondern an der Psyche. Es sollte eigentlich ein Fachbuch für meine Kollegen werden, am Ende wurde es aber ein Buch für die Allgemeinheit.

Wie denken Ihre Patienten darüber?
ARTUR WORSEG: Viele passen natürlich in das Schema, das ich beschrieben habe. Die lesen das Buch und lachen. Gott sei Dank können sehr viele Menschen über sich selbst lachen.

Was hat Sie ausgerechnet jetzt zu dieser Erkenntnis bewogen?
ARTUR WORSEG: Auf jeden Fall nicht zu viel freie Zeit. Der Gedanke war immer: Bevor ich aufhöre, schreibe ich ein Buch. Ich arbeite ja in einer Branche, in der es extrem menschelt. Mir war es wichtig, nichts ungesagt zu lassen und auch die Patienten miteinzubeziehen.

Die Frage ist, ob Ihr Klientel darauf Wert legt. Können Sie mit den Konsequenzen leben?
ARTUR WORSEG: Das muss ich wohl. Mit zunehmendem Alter wird die Motivationspyramide immer enger. Man entdeckt Dinge, die man richtigerfindet. Ich denke immer weniger andas Existenzielle. Früher hat man am Land das Gras abgebrannt, damit Neues wachsen konnte.

 

Bild 1905_K_Report-Worseg_KK_6.jpg
"Als Neureicher habe ich einige Dämpfer bekommen, diese Phase habe ich hinter mir gelassen", sagt Artur Worseg ©Apa Picturedesk/Gruber

Das klingt sehr philosophisch, sind Sie bereit aufzuhören?
ARTUR WORSEG: Zerstören und neuerfinden ist ein Huscher von mir. Dashat mir immer gut getan. Das ist auch eine Lebenseinstellung. Ich will nicht eines Tages einfach müde sein und auslaufen. Mir ist bewusst, dass mein derzeitiges Erfolgsmodell auch nicht immer ein Leiberl haben wird.

Und dann gibt es die, die sagen: Auffallen um jeden Preis. Ist Ihr Buch nicht nur ein weiterer cleverer Marketing-Schachzug?
ARTUR WORSEG: Mein Leben besteht aus 85 Prozent ärztlicher Tätigkeit und 15 Prozent Verwaltung und Vermarktung. Früher war das anders: Da wollte ich meinen Namen zur Mar- ke machen. Was ich dabei gelernt habe: Wenn man sich mit den Medien einlässt, gibt es nur gut oder schlecht. Du musst dir echt bewusst sein, was das bedeutet.

Wofür steht die Marke Worseg im Geschäft mit der Schönheit?
ARTUR WORSEG: Für Authentizität. Ich bin authentisch und das gilt auch für die Dinge, die ich medizinisch oder ganz allgemein sage. Das ist mit Ehrlichkeit und einer gewissen Bodenständigkeit verbunden. Es ist ein heikles Spiel medial präsent und dennoch authentisch zu sein. Deshalb reiß ich auch das Gras heraus, wenn meine Medienpräsenz zu groß wird.

Wird man so nicht ein Gehetzter?
ARTUR WORSEG: Und wie! Das bereitet mir auch den meisten Stress. Ich weiß nicht, wie lange ich das nochschaffe. Mein Alltag besteht ja nichtdaraus, Mercedes zu fahren. Ich frage mich immer: Wie lange möchte ich mir das noch antun.

Sie könnten Landarzt werden.
ARTUR WORSEG: Da wäre mir ein Lottogewinn lieber. Was mich richtig antörnt ist der Traum, unendlich viel sorglose Zeit zu haben.

Ist es Ihnen wichtig, wie Kollegen über Sie denken?
ARTUR WORSEG:
Energetisch ist esmir prinzipiell wichtig. Aber ich denkenicht täglich daran. Es gibt viele. die sehen nur die Leichtigkeit, den Erfolgund das Auftreten und glauben, mir ist das alles in den Schoß gefallen.

Sie - ich bin mir nicht sicher, ob das Wort richtig gewählt ist  - distanzieren sich schon im Vorwort ein Stück weit von Ihrem Beruf, aber der Erfolg scheint Ihnen wichtig zu sein.
ARTUR WORSEG: Ich bin ein Erfolgs- mensch. Ich wäre traurig, wenn ich erfolglos geblieben werden.

Dabei wären Sie um ein Haar in der Gastronomie geblieben?
ARTUR WORSEG: Die Mutter hat ein Hotel in Italien geleitet. Im Sommer habe ich natürlich mitgearbeitet und so ziemlich alle Hilfsdienste verrichtet. Später war ich im Strandcafé, Bulfon, Gig, dann in Deutschland, im Wienerwald und in Nürnberg. Ich bin ja dereinzige Mediziner in der Familie.

Wie kam es?
ARTUR WORSEG: Ich hatte ein Lokal im 6. Bezirk und mit 26-27 ein wenig Geld auf der Seite. Ich habe mir gedacht, dass ich noch etwas machen muss. Was mir keiner wegnehmen kann und woich auf der ganzen Welt einen Job find.Das stimmt aber eh nicht.

Ein Spätberufener also.
ARTUR WORSEG: Ja, mit der Unfall-Chirurgie ging es dann weiter. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich mich noch mehr spezialisiert. Dasist in den USA üblich, da kann manauch als Experte in einem Teilbereich, beispielsweise dem Gesicht, gut davon leben. Das geht bei uns nicht. Da muss man alles machen.

 

Bild 1905_K_Report-Worseg_KK_8_Neu.jpg
Mit seiner Frau Kristina hat Arthur Worseg zwei Kinder. Aus erster Ehe hat Worseg einen Sohn. ©APA/SChöndorfer

Ist es nicht unfair, dass Sie als Promi-Arzt im Rampenlicht stehen?
ARTUR WORSEG: Ist es unfair? Ja, vielleicht ist das. Ich kenne viele Ärzte, die keiner kennt. Was soll ich sagen? Am Ende zählen die Leistung und die Empathie, die man seinen Patientenentgegenbringt. Die Öffentlichkeit ist in meiner Branche wirklich nötig. In viele anderen Fachrichtungen braucht man die nicht so.

Was war die ungewöhnlichste An-
frage, die Sie jemals bekommen haben
?
ARTUR WORSEG: Es gibt immer wieder Leute, die mit Fotos von Prominenten bei der Tür hereinspazieren

Gibt es Eingriffe, die Sie bereuen? 

ARTUR WORSEG: Es gibt immer wieder Leute mit sehr schwierigen Vor-Operationen. Man weiß, dass man da eigentlich nichts mehr richten kann. Aber man will helfen und probiert es trotzdem.

Lehnen Sie heute öfter bestimmte Operationen ab?
ARTUR WORSEG: Ich glaube, es geht nicht um die Quantität, sondern um die Qualität. Ich lehne bewusster ab.

Was ist die große Lektion Ihrer Karriere?
ARTUR WORSEG: Geld ist am Anfang ein großer Motiva- tor. Gott sei Dank habe ich als „Neureicher“ einige Dämpfer bekommen und habe diese Phase hinter mir gelassen.

 

Das Buch des Beauty-Docs: " Deine Nase kann nichts dafür".  Artur Worsegs Buch: " Deine Nase kann nichts dafür"