Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 24.06.2019

Matakustix: "Wir verbiegen uns nicht"

Die Kärntner „Tschreapn“ im Text soll bleiben, auch wenn die Jungs von Matakustix einen Vertrag beim weltgrößten Label Universal in der Tasche haben und Deutschland erobern möchten – zunächst mit neuer Single. Von Tanja Kovačič

Bild 1906_K_Matakustix neues Label_Matthias Ortner Coverfoto neue Single Almösiking_KK.jpg
"AlmÖsiKing" & Matakustix-Bandleader Matthias Ortner © Simone Attisani

Taylor Swift, die Rolling Stones ...

... Robbie Williams, Lady Gaga, Elton John und nun - Matakustix! Die neue Kollegenschaft der Kärntner Musiker kann sich definitiv sehen – und vor allem hören – lassen. Wie in vielen Beziehungen kam im verflixten siebten Jahr bei Matakustix das Bedürfnis nach einer Veränderung auf. Von Beziehungskrise ist bei Bandleader Matthias Ortner, Christian Wrulich und Michael Kraxner allerdings keine Spur, ganz im Gegenteil. „In den letzten Jahren haben die Organisation von Auftritten und Promotionarbeit immer mehr Überhand genommen. Deshalb kam der Gedanke, diesen Teil des Jobs in andere Hände zu legen“, erzählt Matakustix-Frontman Matthias Ortner.

 

Bild 1906_K_Matakustix neues Label_Matakustix_Simone Attisani_KK.jpg
Musik im Blut: Christian Wrulich, Matthias Ortner und Michael Kraxner © Simone Attisani

Matakustix bei weltweit größtem Label

Unterschrieben hat man bei niemand Geringerem als dem weltgrößten Musiklabel, Universal. „Da sind wir schon stolz, denn so einen Vertrag bekommt nicht jede Band.“ Vom neuen Hintergrund-Motor verspricht sich Ortner viel, vor allem aber eines: „Ich kann mich wieder völlig auf die Musik konzentrieren und alles andere ausblenden. Darüber hinaus hat man über Universal Connections zu allem, was in der Branche Rang und Namen hat. Da könnte sich für uns einiges auftun.“ Konkret möchte die populäre Kärntner Formation, die man musikalisch auch beim besten Willen in keine einzelne Schublade stecken könnte, den deutschsprachigen Raum erobern. „Ja, wir möchten durch mehr Promotions räumlich weiter hinaus und auch jenseits der Landesgrenze bekannter werden. Österreichische Musiker sind aktuell in Deutschland ohnehin sehr groß angeschrieben.“ Ob der bei Matakustix tief verwurzelte Kärntner Dialekt bei diesem Ansinnen in die Quere kommen könnte? „Da sehe ich kein Problem. Bei Josh.s Cordula Grün oder der Band Wanda hört man ebenso den Wiener Dialekt raus, und die sind neben anderen österreichischen Musikern in Deutschland mittlerweile groß rausgekommen.“

 

Aus für die „Tschreapn“

Dass man den dem bisherigen teils tiefkärntnerischen Sprachstil den Gegebenheiten anpassen wird müssen, räumt Ortner allerdings ein. Denn ob die deutschen Nachbarn was mit „Tschreapn“, „hör auf zum Rean“ oder „Haibodn“ anfangen können, sei dahingestellt. „Wir werden unsere Aussprache künftig etwas anpassen, klar. Der Kärntner Dialekt wird deutlicher ausgesprochen. Einzelne Wörter, die uns mit dem Kärntnerischen verbinden, bleiben aber. Ich sehe das als natürliche Weiterentwicklung. Wir müssen uns nicht verbiegen.“ Überhaupt soll musikalisch bei Matakustix alles beim Alten bleiben. „Die Produktion unserer Songs liegt auch weiterhin allein in unserer Hand, Universal übernimmt für uns Marketing, Vertrieb und organisatorische Tätigkeiten“, stellt der Bandleader klar. „Die klassischen Matakustix-Elemente wie das Akkordeon oder die Trompete werden ebenso Teil unserer Musik bleiben, auch dem Austropop bleiben wir treu. Dass wir uns mit dem Alter aber ständig entwickeln, liegt in der Natur der Sache.“ Was sich ändern soll, sind die Auftritte. Nachdem Matakustix in den letzten Jahren hundertfach Bühnen jeglicher Größenordnung bis in den letzten Winkel des Landes gerockt hat, hoffen die Vollblutmusiker mit Universal auf größere Auftritte. „Wir würden gern die kleineren Auftritte reduzieren  – hier sind wir auch zeitmäßig an einer Belastungsgrenze angelangt. Es wäre natürlich ein Traum, vermehrt in größeren Konzerthallen zu spielen – aber was passiert, passiert.“

Bild 1906_K_Matakustix.jpg
Vor vollen Hallen die Bühne rocken möchten Matakustix künftig häufiger © Alternarocker

Neustart mit neuer Single

Der erste Schritt in die neue Matakustix-Ära wurde mit der neuen Single „AlmÖsiKing“ eingeläutet. Hier bedienen sich die Kärntner Musiker mit einem Augenzwinkern der gesamten Palette der Ösi-Klischees von Bier über Lederhosen und das Dirndl bis hin zum Jodeln. “Wir haben uns die Frage gestellt: Was ist Österreich im Jahr 2019? Der Begriff Ösi hat ja immer einen fahlen Beigeschmack. Mit unserem neuen Song möchten wir zeigen, dass wir Österreicher sehr cool sein können und nicht den ganzen lieben Tag nur von einem Berg zum anderen jodeln.“ Etwas breitenwirksam aufbereitetete Satire à la EAV in Kombination mit fein gesponnenem Sound verspricht der nächste Erfolg der Kärntner zu werden. Ein neues Matakustix-Album ist angedacht, zunächst legen Ortner & Co. in ihrer neu gewonnenen musikalischen Freiheit den Fokus allerdings auf die Produktion neuer Singles. „Alben verkaufen sich heute nicht mehr wie einst. Wichtiger ist es etwa, es auf Spotify-Playlists zu schaffen.“

 

Keine Zweifel an der Fantreue

Angst um ihre große Fangemeinde angesichts ihrer neuen Ausrichtung plagt die Bandmitglieder keine. „Ganz im Gegenteil. Unsere neue Musik ist nicht komplett anders. Nur ein bisschen moderner eben. Die Sprache wird etwas angepasst, damit man uns auch außerhalb Kärntens versteht. Denn eines ist klar: ein Kärntner bleibt immer ein Kärntner und wird sprachlich als solcher erkannt.“ Und Matakustix bleibt Matakustix. Vertrag beim großen Plattenlabel hin oder her.